Was früher nur Klatsch unter Dorfklatschweibern (und, ganz geschlechtsneutral, auch unter Klatschmannsbildern) war, hat mit den neuen Medien eine ganz neue Dimension erfahren. Schon der erste Buchdruck konnte Halbwahrheiten oder verrutschte Kommata (wie etwa der angeblich hohe Eisengehalt von Spinat) weiter verbreiten, als man ihnen begegnen konnte. Dann brachten die ersten Zeitungen die Möglichkeit, Vorurteile auch in unteren Gesellschaftsschichten zu verankern. Radio verbreitete die Lügen der Diktatoren, Fernsehen die Lügen der Industrie. 

Und dann erst das Internet.

 

Nunmehr sind auch Privatleute in der Lage, geistige Erfindungen weltweit in Sekunden unter die Leute zu bringen.

 

Ob das die Meldung ist, daß die Gattin eines Ex-Präsidenten angeblich KEINE Blaulichtvergangenheit hat oder daß die Liberalen auf jeden Fall wieder in den Bundestag einziehen werden, daß die Wiedereinführung der Deutschen Mark alle glücklich macht oder, daß Elvis ständig Gebäude verläßt: Alles ist möglich, schließlich ist schon Papier geduldig, Bits und Bytes scheinen es erst recht zu sein.

Und das Beste daran ist: Was erst einmal im Netz ist, ist kaum jemals wieder zu löschen.

 

Das mußte schon Barbara Streisand erkennen, als sie gerichtlich durchsetzen wollte, daß ihr Privathaus nicht öffentlich zu sehen sein darf (der Spinat hat sich übrigens nicht gewehrt). Dieser Schritt machte ihr privates Domizil erst bekannt (danach ist dieser Effekt auch benannt). Und das wird auch Frau Wolf (sic, damit sie dies hier nicht liest und mich verklagt) erfahren, weil vorher weitgehend unbekannt (und auch uninteressant) war, daß sie ihr Tattoo jemals in ein Haus mit bunter Beleuchtung getragen haben könnte (was nicht stimmt, jedenfalls nicht, solange dem Internet nicht das Gegenteil bewiesen werden kann).

Die Hauptfrage aber bleibt doch: Wen interessiert das alles eigentlich?

 

All die Katzenbergers, Hiltons und Wullfs erregen Aufmerksamkeit, den sie nicht wert sind. Sie sind nur berühmt für ihr Berühmtsein. Für ihr Aussehen und ihre Medienpräsenz. 

Und damit unauslöschbares Gut für das kollektive Gedächtnis unserer Zivilisation.

 

Wollen wir wirklich, daß die zukünftigen Archäologen bei der Erkundung unserer Kultur auf diese Schätzchen stoßen und unsere Geschichte aus diesen Unwichtigkeiten erschließen? Wie werden wir dastehen, wenn es uns aus Sicht von Experten der zukünftigen Gegenwart allein auf Blondierungen, Stöckelschuhe und Handtaschen angekommen sein wird?

Zeitgenossen, schreibt Bücher, macht Euch Gedanken, laßt das nicht zu.

 

Blockt diese Zukunftsvision mit Blogs.

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