Nun ist er also Bundespräsident. Mit zweijähriger Verspätung - weil sein Vorgänger und früherer Konkurrent Wulff noch ein wenig in die Rentenkasse greifen wollte - wurde Herr Gauck nun gewählt. Ich muß gestehen: Er war auch mein Wunschkandidat. Ich habe einmal die Gelegenheit gehabt, mit ihm ein - kurzes - Gespräch zu führen und war beeindruckt von seiner Persönlichkeit.

Möge er der Präsident sein, den man sich von ihm verspricht.

 

Allerdings ist mir bei der Wahl auch so Einiges aufgefallen.

 

Zum einen kommt Herr Gauck aus einem Regime, unter dem bei Wahlen schon vorher feststand, wer die Wahl gewinnen würde. Unter diesem Mißstand habe er immer gelitten und würde jetzt die freien Wahlen so sehr genießen, daß er keine Wahl versäumen würde. Zu den Treppenwitz der Geschichte gehört nach meinem Empfinden, daß Herr Gauck erster Mann im Staate wurde in einer Wahl, bei der der Gewinner von vorne herein feststand.

Das scheint aber keinem aufgefallen zu sein.

 

Weiter gab es zwei andere Kandidaten. Einen aus der rechten Ecke und eine Kandidatin aus der linken (wenn auch nicht so extrem linken wie der Drei-Stimmen-Kandidat rechts war). Links wurde Frau Klarsfeld verheizt, was die Partei die LINKE und Frau Klarsfeld allerdings mit Entrüstung zurückweisen würden. Die LINKE konnte sich nicht hinter Herrn Gauck stellen, weil sie - vielleicht nicht ganz zu Unrecht - annimmt, Herr Gauck stehe auch nicht hinter ihr. So fiel sie sich selbst in den Rücken und stellte kurzerhand eine Kandidatin auf, die von vorne herein keine Chance hatte (das war bei ihrer Vor-Vorläuferpartei SED noch anders). So konnte immerhin ein Wahlergebnis verhindert werden, das die gute, alte Tradition der Wahlergebnisse der DDR wieder hätte aufleben lassen (Ein Treppenwitz, daß ausgerechnet die LINKE das verhindert hat).

Es ist ja auch anscheinend gute, bundesdeutsche Tradition, daß Damen als Präsidentin nicht gewählt werden (Immerhin haben wir schon eine Bundeskanzlerin). Frau Klarsfeld selbst sah das Ganze eher als Reklame für ihre politische Arbeit. So diente die Dame nicht als echte Alternative zum sicheren Sieger, sondern der Zirkus der Nominierung der politischen Reklame. 

So billig kann man nie mehr auf sich aufmerksam machen.

 

Die Ohrfeige, die Frau Klarsfeld bekannt gemacht hatte, ist längst vergessen, jedenfalls bei der Masse der Menschen.

 

Aber ist das Sinn und Zweck der freien Wahlen? Kandidaten zu küren, die sich für die Zeit danach durchaus anderes vornehmen können, als in das Schloß Bellevue einzuziehen? Sich politisch beleidigt ins Abseits zu stellen oder das Verfahren als Werbemaßnahme zu mißbrauchen? Diskreditiert man damit nicht auch seine (oder ihre) Leistungen?

Man weiß, man hat keine Chance, aber lächelt dabei?

 

Prominente aus Politik, Sport, Kunst und Unterhaltung wählen jemand anders (oder enthalten sich, um "ein Zeichen zu setzen"), aber man war dabei?

Wobei genau?

 

Dabei sein ist alles?

 

Manche Treppenwitze sind kein bißchen lustig.

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