Die Reduzierung der Adjektive schreitet voran. Habe ich schon einmal beklagt, daß die einzige Bezeichnung für gutes Esses mittlerweile "lecker" ist, so schrumpft die Sprachmacht für gutes Aussehen auf das denglische Wort "Stylisch" zusammen. Wobei es unglücklich gewählt ist, nicht nur wegen der angloamerikansichen Klangfarbe. Es soll wohl Stil andeuten, also letztlich das Wort "Stilvoll" vertreten (Auch das Wort "Stilistisch" - ein Adverb - kommt dem nicht nahe, denn "Stylisch" hat eine absolute Bedeutung).

Aber es soll moderner klingen.

 

Etwas stylisches ist auf jeden Fall aktuell in Mode, auf der Höhe der schnellen Zeit.

 

Wobei durchaus auffällt, daß mit dem Gebrauch des Wortes meist eine widersprüchliche Haltung einhergeht. Denn der Sprachgebrauch soll etwas als sytlisch adeln, von dem der Adelnde durchaus selbst den Eindruck hat, das Objekt der Moderne könnte ein wenig seltsam auf den Adressaten wirken. Eher scheint es Rechtfertigung zu sein dafür, daß das "Stylische" zwar auch ein wenig häßlich ist, aber dafür up-to-date ist (um mal ein älteres, denglisches Schätzchen zu bemühen, das nicht mehr up-to-date ist). Es wird dem Skeptiker entgegen geschleudert, der gewisse Zweifel an der Ästhetik von etwas hat.

Dann aber kommt das Totschlagsargument: Es ist nicht schön, aber eben stylisch.

 

Stilistisch bewegt man sich also auf der sicheren Seite, wenn man das Wort "Stylisch" nur mit dem Brustton der Überzeugung verwendet.

Welcher altmodische Trottel mag schon im Wege stehen, wenn etwas stylisch daherkommt.

 

Man hat ja keinen Stil mehr, man hat einen Style.

 

Stil war etwas individuelles, Style aber ist etwas massenkompatibles, von dem nur die Werbung behauptet, es sei Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Style ist auch moderner als Stil, aber Stil kann man nicht erlernen, während man einen Style verpaßt bekommt wie eine Maske. In einem Stil fühlt man sich als Träger wohl, das muß man in einem Style nicht, denn dieser dient nur der Verlautbarung, man sei auf Höhe der Zeit.

Ist der Style dann noch gewöhnungsbedürftig, wird er halt dann als "stylisch" entschuldigt.

 

Möglicherweise handelt es sich um eine Worthülse ohne echten Inhalt, wie so manches Jugendwort, das auch inhaltich nicht viel sagen will.

Nur gut klingen.

 

Stylisch eben.

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