Nur die besten sterben jung. Das soll zumindest ein Trost sein, wenn jemand jung gestorben ist und der Welt nicht mehr viel zu geben hat. Wobei man auch nicht mehr an seinem Ruf kratzen kann. Und man stirbt dann nicht weit nach seinem Höhepunkt krank und alt und allein.
Sondern im Zenit der Öffentlichkeit.

Wobei das kein Ersatz ist für ein Weiterleben. 

Und man hätte der Welt vielleicht noch mehr schenken können. Mehr Musik, mehr Literatur, mehr Gemaltes. Weitere Titel, weitere Preise, weitere Höchstleistungen. Und nicht nur beweihräuchert zu werden als jemand, der "viel zu früh gegangen" ist. Wenn die Legende sich nur darum dreht, was man noch hätte erreichen können.
Nicht um das, was man schon erreicht hat.

Und jede Menge Leute, die man nicht kannte und Kameras, was man so auch noch nicht kannte, schlawenzeln um den Sarg herum, der inmitten der Menschenmenge steht und um Interesse bittet, das man dem Lebenden niemals entgegengebracht hätte. Alles wird im Fernsehen übertragen, Tränen im Großbildformat, würdige Worte im Westentaschenformat aus dem Lexikon der Trauerreden, sorgfältig auf  trauernd gestylte Funktionäre. Sportlich eher Desinteressierte mutieren zu Anhängern, all die Leute, die dir das Leben zur Hölle gemach haben, werden plötzlich zu Freunden, die dich sehr vermissen. Diejenigen, die dich vorher nicht mit dem Allerwertesten angesehen hätten, sprechen plötzlich in jede Kamera, die sich zeigt, tief bewegende Worte, die davon künden, wie sehr du vermißt wirst.
Ach, Her Enke, was haben Sie da losgetreten.

Sie haben einen Lokführer traumatisiert, einer tabuisierten Krankheit zu 15 Minuten Ruhm verholfen und das Fernsehprogramm an einem Sonntagvormittag beeinflusst. Sie haben Schlagzeilen gemacht, die bald wieder anderen Schlagzeilen weichen werden und Sie haben den Kampf um die Frage, wer Nationaltorhüter wird, neu entbrannt.
Aber was für ein Mensch waren Sie? Was waren Ihre Wünsche und Träume? 

Wen interessiert es? Hauptsache, man ist dabei und dabei zu sehen. Kann seine Tränen nicht zurückhalten (im Fußballgeschäft durfte man schon immer auch als Mann Gefühle zeigen, auch solche, die man nicht hat). Ist zu sehen, wie man sich als Mensch zeigt. 
Ach, was ist man doch für ein guter Mensch. 

Alt hätte man solch ein Begräbnis mit soviel Zuspruch nie erfahren.
Aber eben länger gelebt. 

Es gäbe auch ein Leben nach dem Sport. Aber wer will das schon?
Im Grunde jeder. 
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