Es gibt viele Blogs. Allein in Deutschland mag es in die Hunderttausende gehen. Manche werden hauptsächlich vom Urheber selbst gelesen, aber einige, wenige haben Leserzahlen, von denen so manche Zeitung nur träumen kann. Manche sind lesenswert, andere sind interessant, einige skurril. Manche haben nur ein Thema, oftmals sehr egozentriert, andere glänzen mit Weitblick und scharfer Analyse.

Manche sind regional verwurzelt.

 

"Extra prima good" etwa beschäftigt sich mit regionaler Küche (allerdings mit weniger regionalen Worten - warum muß es denn in denglischer Sprachpanschermanier "good" heißen und kann nicht schlicht gut sein?). Gut gemacht (bis auf den Titel), wenn auch sehr subjektiv.

 

Aber immerhin wird geschrieben. Nicht immer mit irgendeiner der neuen oder alten Rechtschreibungen in Einklang, nicht immer künden sie von allzu hoher Kenntnis der Interpunktion. Aber immer setzt sich jemand an eine Tastatur und meint, daß das, was er schreibt, interessant sei für andere. Um auf ein Problem aufmerksam zu machen oder um zu unterhalten. Um von einer Leidenschaft zu erzählen oder von etwas zu berichten, was die Welt interessieren könnte. So viele Bits und Bytes kursieren durch das Netz, auf der Suche nach einem interessierten Adressaten. Mancher Gedanke geht ins digitale Nichts, mancher Gedanke kommt auch aus demselben. Manches Bild schafft es - zuweilen unglücklicherweise in anderem Zusammenhang - in irgendeine Schinkenspeck-Post und sorgt in Büros und Firmennetzen für unfreiwliige Heiterkeit. Mancher Text wird zitiert, andere werden gar nicht erst ganz gelesen, bevor die ablenkbare Aufmerksamkeit anderen Dingen gilt.

Wer liest das auch alles?

 

So mancher Geistesblitz mag im Internet verglühen, bevor er wichtige Probleme lösen könnte. So mancher Geniestreich geht unter im alltäglichen Wahnsinn der digitalen Existenz der Menschen. Einen Filter für brillante Gedanken sollte es geben. Der fischt alle brauchbaren Vorschläge zur Weltverbesserung aus dem Datenmüll und rettet die Menschen vor globaler Erwärmung, finanzieller Misere, Hunger und Wasserknappheit.

Aber wer sollte so etwas erfinden können?

 

Wo man uns doch nicht einmal vor unsinnigen Werbemüll schützen kann, vor Angeboten, nachgemachtes Viagra zu kaufen oder hohe Summen durch Zahlung einer kleinen Summe aus dem Zoll auszulösen. Wo man uns zutraut, billige Uhren, die auch so aussehen oder teure Uhren, die billig aussehen, zu erwerben? Geld zu spenden an afrikanische Menschen, deren Englischkenntisse aus einem eher mittelmäßigen Übersetzungsprogramm stammen?

Vielleicht schwirrt die Lösung schon in den Datennetzen herum.

 

Allein, sie geht unter, weil die nicht herausgefiltert wurde von sich sich selbst.

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