Er ist nahezu 90 Jahre alt und soll vor über 65 Jahren allerdings einigen Tausend Menschen den Tod gebracht haben: Herr Demjanjuk ist ein ruhiger Lebensabend nicht beschert. Zwar mag er rüstiger sein als seine gespielte Darstellung vom siechen Greis, die ihm in der Öffentlichkeit alle Sympathien verspielt, die er noch haben mochte. 
Aber ist das noch sinnvoll?

Wobei über 90jährige wohl nicht mehr ins Gefängnis kommen.

Ab diesem Alter werden Freiheitsstrafen nicht mehr vollstreckt. Man hat dann einen teuren Greis am Hals, den weder die USA zurück, noch die Ukraine haben will. Man wird ihn wohl hierbehalten und versorgen müssen. Wenn er solange durchhält, wofür immerhin einiges spricht. Aber man handelt sich Kosten ein und eine Menge Ärger. Zeit und Geld, das man besser anlegen könnte, wenn man den Tenor so manchen Volksredners hört. Aber warum muß man ihn dann noch vor Gericht zerren?
Man muß leider, von Gesetzes wegen.

Wenn man erst anfängt, mutmaßliche Mörder nicht zu verfolgen, dann kann man der Justiz kaum noch trauen.

Mord verjährt nicht, daher hat man die Verjährungsfristen erst verlängert, dann vollständig abgeschafft, damit genau das möglich und zu betreiben ist: Auch Prozesse gegen greise Täter. Die Entscheidung, Mord nicht mehr verjähren zu lassen, hat sehenden Auges genau diese Konsequenz. Wenn man diese aber nicht will, spottet man genau dieser Entscheidung des Gesetzgebungsorgans der Deutschen Hohn. 
Dies jetzt durch Nichtanwendung zu hintertreiben, ist den Strafverfolgungsorganen untersagt.

Und hätte auch verheerende Auswirkungen auf die Außenwirkung für das Ausland.

Wenn man beginnt, NS-Unrecht nicht mehr zu verfolgen, dann könnte man im Ausland leicht zur Ansicht kommen, von Deutschland könnte wieder eine nationalsozialistische Gefahr ausgehen. Erst verfolgt man die Täter nicht, dann verfolgt man wieder neue Opfer auf menschenwidrige Art und Weise.
So alt der mutmaßliche Kriegsverbrecher also ist und so lange die Tat zurückdatiert: Um eine Aufarbeitung kommt man nicht herum.

Schon im Interesse der Opfer und ihrer Angehörigen.
 
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