Nein, hier soll es nicht darum gehen, wie die neue Regierung ihre Versprechungen bricht, mehr Geld im Portemonnaie zu haben (für die Regierung mag das sogar stimmen, aber leider für den Bürger nicht). Schließlich wissen wir alle, daß in Krisenzeiten, in denen die aktuellen Steuereinnahmen sinken und die Ausgaben steigen, zur Aufstellung eines einigermaßen rechtmäßigen Haushaltes Steuererhöhungen umumgänglich sein werden.
Wer das nicht glaubt, hat vermutlich FDP gewählt.

Hier aber soll es um die Sparmaßnahmen der Bürger gehen, allerdings ganz spezielle: Um das Ansparen von Momenten. Denn im digitalen Zeitalter genießen die Menschen die großen Momente des Lebens nicht mehr, sondern bannen sie auf Computerchips, um sie später zu genießen (die Momente, nicht die Chips - wobei: Vielleicht kann man beim späteren Genuß der Momente auch Chips essen).

Bestes Beispiel: Der Sonnenuntergang (oder, für Frühaufsteher: Der Sonnenaufgang).

Saß man früher noch still und entspannt vor der Himmelskullisse, wenn die Sonne ihren Abgang hatte, ist man nunmehr weniger entspannt. Da gilt es, die richtige Belichtung und Blende einzustellen (wenn man nicht über einen dieser idiotensicheren Apparate verfügt) und vor allem den richtigen Moment abzuwarten. Dann nämlich, wenn die Sonne gerade den Horizont küßt oder nur noch halb zu sehen ist.
Diesen Moment kann man also im Augenblick nicht genießen.

Man will ihn vielmehr später genießen, wenn man ihn zu Hause ansieht, gerne mit Freunden, die ganz wild auf die tausendste verwackelte Aufnahme von untergehenden Sonnen sind. Wo es doch soviele Sonnenuntergänge auf sovielen Festplatten gibt, die man mit dem Beamer an die Wand wirft, wo sie auch hingehören. Denn sie sind zum An-die-Wand-Klatschen.
Man spart sich also bei der Aufnahme den Moment für später auf.

Hauptsache, man hat ihn für alle Zeiten dokumentiert.

Wenn man dann auch vor lauter Bilder von Sonnenuntergängen verschiedener Urlaube und Jahre gar nicht mehr weiß: In diesem Moment habe ich gar keinen Urlaub gemacht.
Nein, das war harte Arbeit.

Vielleicht hätte ich mir das Fotographieren sparen sollen.

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