Was bei Schränken gern gesehen wird, weil Stauraum und Ordnung geschaffen wird, ist als Teil des kleinen Einmaleins des gewöhnlichen Pseudointellektuellen in aller Munde: Daß man nicht alles in Schubladen stecken soll, insbesondere das Denken nicht. Die Zuordnung von etwas zu einer Kategorie ist tunlichst zu vermeiden. 
Vor allem, wenn dem angestrengt Anstrengenden die Eingruppierung nicht paßt.

Gerügt wird nur, wenn man etwas anders einordnen würde.

Denn die Zuordnung durch Vergleich ist im Alltag essentiell. Ohne daß man etwas abstrakt wegen seiner Eigenschaften und Beschaffenheit unter das Dach eines Oberbegriffes zieht, kann man die Dinge und Lebewesen nicht zueinander in Beziehung setzen. Und dann kann man die Dinge nicht in Einklang bringen und mit ihnen umgehen.
Auch, wenn das den sinnfreien Freigeistern auf den Geist geht.

Und sie uns mit dem Spruch, das sei alles nur Schubladendenken.

Das soll folgender, kleiner Dialog verdeutlichen:
Naiver Normalsterblicher: Aha, du bist also ein gewöhnlicher Pseudointellektueller.
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Du mit deinem Schubladendenken.
Naiver Normalsterblicher: Wieso, bist du keiner?
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Daß du alles in eine Schublade stecken mußt.
Naiver Normalsterblicher: Warum auch nicht?
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Weil man es sich damit zu einfach macht: Rein in die Schublade, zumachen, fertig.
Naiver Normalsterblicher: Ich mache dich damit fertig?
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Du mußt das differenzierter sehen. Und nicht immer in Kategorien denken. 
Naiver Normalsterblicher: Sondern?
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Alles ist individuell.
Naiver Normalsterblicher: Die Dinge in Schubladen verlieren doch ihre Individualität nicht.
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Aber du nimmst ihnen damit ihre Einzigartigkeit. Vergiß doch mal deine Schubladen.
Naiver Normalsterblicher: Ich soll also mal annehmen, es gäbe keine Schubladen?
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Genau.
Naiver Normalsterblicher: Dann bist du Matsch.
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Wie bitte?
Naiver Normalsterblicher: Matsch.
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Wieso denn das?
Naiver Normalsterblicher: Wenn es keine Kategorien gibt, ist alles dasselbe. Weil man es nicht zuordnen kann. Dann haben Dinge und auch Lebewesen keine Eigenschaften. Weil Eigenschaften, die Dinge und Lebewesen haben, diese zueinander in Beziehung setzen. Dann ist alles gleich. Dann bist du zum Beispiel genau dasselbe wie Matsch.
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Aber ich bin doch kein Matsch.
Naiver Normalsterblicher: Warum nicht?
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Ich bin doch zum Beispiel ein Lebewesen, Matsch aber ist ein Gegenstand, ohne Leben.
Naiver Normalsterblicher: Verstehe. Du weist dich also den Lebewesen zu, den Matsch aber den Dingen.
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Genau.
Naiver Normalsterblicher: Damit hast du dich selbst in die Schublade gesteckt, auf der "Lebewesen" steht, den Matsch der mit der Aufschrift "Dinge". Dabei sollten wir doch alle Schubladen abschaffen. Du aber steckst Menschen und Dinge in Schubladen.
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Das ist doch Unsinn.
Naiver Normalsterblicher: Unsinn ist das nur, weil dir die Argumente ausgehen. Ich habe dich mit deinen eigenen Mitteln geschlagen.
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Ich habe das doch anders gemeint. 
Naiver Normalsterblicher: Aber nicht gesagt. 
Gewöhnlicher Pseudointellektueller: Du weißt doch genau, was ich meine. Du nervst ganz schön.
Naiver Normalsterblicher: Du auch. Aber das ist ja klar, denn du bist ja ein gewöhnlicher Pseudointellektueller.
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