Die Nostalgiker unter uns, für die früher alles besser war, werden jedenfalls diesen Winter nichts zu meckern haben. Hat man doch die Winter früher als schneereicher in Erinnerung, in denen man immer Schlitten fahren und Schneemänner (Schneefrauen waren damals noch nicht gleichgestellt) bauen konnte.
Dieser Winter bringt die gute, alte Zeit zurück.

Oder übersieht man da etwas?

Früher hat man vielleicht auch nur mehr Zeit gehabt, den Winter zu genießen. Frei von vielen Pflichten war jedenfalls eine der wenigen Pflichten, zu jeder Jahreszeit an die gute, frische Luft zu gehen, egal, wie frisch diese auch gewesen sein mag. Man ging noch zu Fuß in die Schule, heute fährt man auch kurze Strecken in einem klimatisierten Auto. Man zog sich noch warm an und und war auch nicht so kälteempfindlich. Und wenn die Mama nichts sagte, dann ging man auch im Dezember gerne mal mit einem T-Shirt auf die Straße. Heute hat man warme Schuhe und warme Mäntel, die einen steif und unbeweglich machen (wie auch die Jahre einen ein wenig steifer haben werden lassen) und die man vor allem nicht mehr nur nicht dreckig machen darf.
Man will sie aus eigenem Antrieb heraus nicht dreckig machen.

Das gute Stück hält ja sonst nicht so lange.

Wenngleich im schönen, jungfräulichen Neuschnee nichts dreckig wird. Aber man wälzt sich dennoch nicht im kühlen Weiß. Man hält sich auch nicht mehr so viel draußen auf. Das schafft man höchstens seinen Kindern an, man selbst sitzt lieber gemütlich im Warmen und trinkt Tee mit Rum oder nur Rum und rum (also herum). Wenn man seinen alten Schlitten reaktiviert und den Hügel hinter dem Haus zwischen all den Kindern hinunter rustcht, erntet man auch nur seltsame Blicke.
Vor allem von der eigenen Ehefrau.

Wie gesagt, man bekommt die Jahreszeiten nicht mehr so unmittelbar mit.

Wenn man Autofahrer ist, fällt man sogar gewöhnlich spätestens Ende Dezember aus allen Wolken, daß im Winter auch Schnee liegen könnte. Und dann staut man sich in der Schlange vor der Werkstatt, weil alle noch schnell neue Winterreifen brauchen.
Wer hätte auch um diese Jahreszeit mit Rutschgefahr gerechnet.

Damals war das Wort "Rutschen" auch noch nicht mit dem Wort "Gefahr" verbunden, damals war Rutschen vielmehr ein Vergnügen. Ein unschuldiges Vergnügen, das zudem nichts kostetet.
Was vielleicht der Grund ist, daß man es heute nicht mehr genießen kann.

Wenn etwas nichts kostet, dann muß doch ein Haken dran sein.

Die gute alte Zeit. Sie lebt in unseren Erinnerungen weiter und wird höchstes dadurch getrübt, daß ein junger Mensch, wenn man ihm von der guten, alten Zeit erzählt, darüber die Nase rümpft.
Wenn der wüßte.

Denn das, was heute (zum Beispiel dieser wunderbare Winter) passiert, das wird für ihn in nicht allzu ferner Zukunft die gute, alte Zeit sein. Hach, war das herrlich.
Weißt du noch: Der Winter 2009/2010. Solche Winter wie damals gibt es heute nicht mehr.

Da brauchst du Jungspund gar nicht die Nase zu rümpfen.

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