Man kann es nicht allen recht machen. Sagt zumindest der Volksmund. Insoweit geben die Medien nicht die Meinung des Volkes wider. Denn sie sind der Ansicht, daß man es doch allen recht machen sollte. Zumindest legt der bisherige Verlauf des Terroristenprozesses in München dies nahe. Es ist noch keinen Tag verhandlet worden. Und schon ist der Rechtsfriede erheblich gefährdet. Die Süddeutsche Zeitung etwa war bislang im stolzen Besitz eines Presseplatzes und forderte vehement Plätze für türkische Medien. Jetzt haben ausländische Medien Plätze, allerdings auf Kosten auch der SZ. Diese ist nun unzufrieden. Lieber wäre es der Presse gewesen, wenn man weniger freie Plätze zugelassen hätte.

Jetzt soll "der Rechtsweg beschritten werden".

 

Um dann den Rechtsweg zu beschreiten.

 

Wenn taz, SZ und FAZ sich dann aber Plätze erstreiten sollten, würde wieder jemand anderes außen vor bleiben. Der wohl wieder nicht amüsiert wäre und dann seinerseits ein Gericht (aber ein anderes als das in München) bemühen würde, um zu seinem Recht (oder was er dafür hält) zu kommen. 

Dabeisein ist ja bekanntlich alles.

 

Wer erinnert sich noch daran, um was es bei diesem Verfahren wirklich geht? Vom Leid der Angehörigen gar nicht erst zu reden oder zu schreiben.

 

Leider hat das Bundesverfassungsgericht die Büchse der Pandemie geöffnet und Klagbarkeit zugelassen. Vielleicht hatten sich die Karlsuher einfacher vorgestellt: Einfach noch drei Klappstühle irgendwo hinquetschen. Oder mitten unter die gewöhnlcihen Zuschauer noch drei tückische Pressevertreter. An Griechen hat man allerdings nicht gedacht. Hoffentlich kommen nie Porzesse zustande, in denen mehr als 10 unterschiedliche Nationalitäten zusammenkommen. Da kann man in München nicht mehr verhandeln (ein Trick, den Rechtsterroristen demnächst vielleicht bauen könnten?). Egal, man hat sich hineingeklagt. Was einmal geklappt hat, mag auch ein zweites Mal funktionieren. Und ein drittes Mal. 

Man kann es eben nicht allen recht machen.

 

Hauptsache, die Presse ist zufrieden?

 

Wobei das Strafverfahren nicht in erster Linie dazu dient, es der Presse recht zu machen. Im übrigen auch den Angehörigen der Ermordeten nicht. Es kann sogar passieren, daß wenig von der Anklage übrig bleibt. Sogar ein Freispruch ist nicht von vorneherin ausgeschlossen. Man möchte sich ja nicht ausmalen, wie es dann im Blätterwald rauscht , man würde sich dann wohl in einen Rausch berichten.

Woran es dann gelegen hat?

 

Vermutlich daran, daß die Presse nicht genügend Plätze bekommen hat.

 

Allerdings ist zu erwarten, daß das Interesse im Laufe des Prozesses doch ergeblich abnehemn wird. Über zwei Jahre hinweg das Feuer am Lodern halten? Kaum zu erwarten, den (zahlenden) Leser dürstet nach Neuigkeiten, nicht alt hergebrachtes. Man wandert von der Titelseite auf Seite 3, um endlich unter "Vermischtes" zu landen.

Ob gegen Ende des Marathons sogar Zuschauerplätze frei bleiben?

 

So manches Presseorgan könnte es auf der Zielgeraden gar nicht mehr geben. Würde deren Platz dann verkauft? Versteigert? Etwa bei eBay? Neu ausgelost? Vererbt? Oder kann ein Pressevertreter ohne Presseerzeugnis diesen Platz weiter besetzen?

Man wird sehen.

 

Oder auch nicht. Hängt vom eigenen Interesse ab. Wer weiß, was bis dahin noch so alles auf der Welt passiert. Und man wird auch müde, sich ständig dasselbe anzuhören. 

Da mache ich mir nichts vor.

 

Ich will es auch gar nicht allen recht machen.

 

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