Was muß man nicht alles tun, um ins Fernsehen zu kommen. Was rechtes zu wissen oder zu sein, genügt schon lange nicht mehr (außer man ist schon berühmt, dann reicht das durchaus aus). Man sollte schon einen Tabubruch (Sarrazin), vergrößerte Brüste (dazu gibt es unglaublich viele Beispiele) oder unglaublich Gefährliches im Gepäck haben, wenn man zur "Primärzeit" (neudeutsch: Primetime) über den Äther gesendet werden will. Wenn man es sogar unter die heiligen Kühe deutscher Fernsehunterhaltung schaffen will, muß man wenigstens mit Siebenmeilenstiefel über Meilenfresser springen.

Aber es kann ja nichts passieren.

 

Oder etwa doch?

 

Ist doch alles gesichert und erprobt, was man dem deutschen Fernsehpublikum (wer sitzt eigentlich am Samstag Abend überhaupt vor dem Flimmerkasten?) zumuten kann. Und doch ist es der Schauer, Gefahren beizuwohnen, der derartig unsinnige Wetten (mit dem Schicksal) provoziert. Wie man bei Autorennen insgeheim (keiner gibt es zu) auf spektakuläre Unfälle hofft, auch bei Ski-Abfahrtsrennen, um dann im Falle des Unfalls sich bundesweit an Betroffenheit zu übertreffen, so mag man auch die Möglichkeit eines Unfalles durchaus in den Reiz mitnehmen, der einen beim Betrachten solch waghalsiger Manöver dazu verleitet, sich solchen Unsinn überhaupt anzusehen. Klar, man will auch den berühmten Star sehen, der lediglich dazu verdonnert wurde, auf der Couch zu sitzen, um für seinen neuen Film zu werben oder die berühmte Gruppe, die sich aus dem Auftritt eine Ankurbelung ihrer Plattenverkäufe erhofft.

Wobei: Warum schaut man sich dann nicht die immerwährenden Musikvideos an oder gar eine Kino-Sendung (deren Quoten könnten das durchaus brauchen)?

 

Nein, die Wetten scheinen auch die Quoten bei "Wetten, daß?" zu garantieren.

 

Jetzt ist das Jammern groß, weil ein übermütiger, junger Mensch meint, er müsse über Autos springen und das öffentlich-rechtliche Fernsehen glaubt, das könne man seinen Zuschauern (darin steckt das Wort "Schauer") nicht vorenthalten. Warum zeigt man das? Warum will man das sehen? Erzeugen die Medien das Bedürfnis oder geben sie einer bestehenden Nachfrage der Konsumenten nur nach? Muß man Mitleid haben mit jemandem, der diesem Bedürfnis Rechnung trägt, indem er für solch einen Schwachsinn, der die Menschheit nicht wirklich weiterbringt, auch noch sein Leben riskiert und vielleicht den Rest seines Lebens wegen seines Scheiterns im  Rollstuhl sitzt (aber vermutlich auch in einer dieser Sendungen, in denen auf das Jahr zurückgeblickt wird, sitzen wird und seinen eigenen Sitzplatz gleich mitbringen wird)? Muß man Verachtung zeigen für die Verantwortlichen, die aber nur die Verantwortung, aber nicht die Konsequenzen tragen?

Ist das auch ein Auswuchs, den die Privatsender mit ihrem Glauben an die Heiligkeit der Quote nach sich ziehen?

 

Wer also ist hier der Dumme?

Oder sind hier die Dummen unter sich?

 

Wetten, daß?

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