Anscheinend ändert sich die Welt doch ein wenig. Wenn man sieht, unter welch enormen Druck etwa die Schüler stehen, mag man sich an seine eigene Schulzeit zurückerinnern und sich bewußt werden: Damals war es leichter, in die Schule zu gehen. Machte man sich früher frühestens kurz vor dem Abitur Gedanken über seine Zukunft, so ist es heute spätestens nach der Grundschule an der Zeit, sich zu orientieren. Konnte man früher unbeschwert die Kindheit genießen, wird heutzutage von Kindern erwartet, Erwachsenenqualitäten zu beweisen und sich ernsthaft und vorausblickend festzulegen, womit sie sich ihr ganzes Leben beschäftigen werden.

Der Ernst des Lebens beginnt schon weit vor dem Ernst des Lebens.

 

Was tut man den armen Kleinen an, indem man von ihnen Weitblick fordert, den sie noch nicht haben sollten.

 

Nicht haben dürfen. Sie nehmen schon früh Nachhilfe, entwickeln richtiggehende Angst vor der Schule und haben schon vor unbedeutenden Prüfungen schlaflose Nächte. Vor kurzem ist sogar einmal eine Schülerin in meinem Unterricht umgekippt. Muß man soviel von Schülern verlangen? Sollte man nicht mehr auf Eigendynamik setzen, wie es auch in den Waldorfschulen praktiziert wird? Wird auf diese Art und Weise nicht der unschuldige Wille, etwas zu lernen, die Neugier abgetötet, indem man die Freude am Lernen vergrault? Und wird dadurch nicht menschliches Kapital vergeudet, indem man intelligente Kinder, die sich dem widersetzen, aussortiert?

Das Leben ist mit Prüfungen gespickt.

 

Man sollte die Nachkommen nicht Angst vor ihnen lehren.

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