Sie gelten als typisch männlich und ebenso unvermeidlich wie spießig: Witzchen über Alkohol. Man macht deutlich, welch große Rolle Bier im Leben doch spielt. Sie handeln davon, wie viel man doch trinken kann und wie viel man schon früher getrunken hat. Wie sehr man "über die Strenge" geschlagen hat in seinen angeblich so wilden Jahren. In der eigenen Erinnerung und auch in den unsäglichen Erzählungen der eigenen Jugend ist immer wieder von Exzessen die Rede, die mit Trunkenheit und witzigen Begebenheiten wie Trunkenheitsfahrten und Filmrissen zu tun haben.
Nicht wissend, daß man sich insoweit nicht von den tumben Bierdimpfeln in den Pilskneipen unterscheidet. 

Alkohol zu trinken ist keine Leistung und allein daraus seinen Erlebnishorizont zu ziehen zeigt, daß man ein eher armseliges Leben führt.

Wobei man zuweilen das Gefühl hat, daß diese Darstellung des saufenden Proleten nur eine Posse ist und eine witzige Persiflage auf die Bierdimpfel sein soll. Wobei einige diese Rolle so verinnerlicht haben, daß sie gar nicht mehr aus ihr herausfinden. Man hat den Eindruck: Das sind wirklich Bierdimpfel. Das wirkt kaum mehr sehr originell, wenn man den groben Klotz gibt, der nur von "Weibern und Saufen" spricht (und sich wundert, daß diese Einlage bei den Damen nicht so gut ankommt).
Das stößt eher ab.

Wer aber nicht darüber lacht, der gilt in solchen Kreisen schnell als Spaßbremse.

Vielleicht muß man betrunken sein, um ständige Witzchen über Alkohol witzig zu finden. Dann ist man zum einen nicht so anspruchsvoll und braucht auch eine Rechtfertigung für das eigene Suchtverhalten. Dann mag man sich in solch einer Männerrunde auch wohlfühlen, die sich nur darum dreht, wer gerne "ein Gläschen zu viel trinkt", daß man "auf einem Bein nicht stehen kann" (aber offenbar auch nicht auf zwei, deshalb sollten es schon ein Dutzend sein), daß man "so jung nicht mehr zusammenkommt" und dergleichen Plattitüden.
Das soll das ganze Leben sein?

Wenn es denn dereinst wie ein Film (ohne die Ausschnitte, die der Alkohol aus dem Gedächtnis geschnitten hat) an einem vorüberzieht, wird man dann erkennen, wie sinnlos eine derartige Kette von Räuschen ist, ohne Höhepunkt angesichts unendlicher Tiefpunkte? Oder verklärt sich in der Erinnerung die armselige Bierseligkeit zu einem erfüllten Leben, abgefüllt mit Alkohol?
Wird man das nüchtern überhaupt ertragen können und nüchtern betrachten können?
Die Gegenwart mag stets unerträglich gewesen sein, wenn man sich ständig betäuben mußte. Die Zukunft mag oftmals ein Kater gewesen sein, der auf die Zeche folgte.

Aber die Vergangenheit ist dann etwas, von was man erzählen kann.

Jedenfalls im Kreise seiner Trinkkumpanen. Mann, was waren wir doch früher für tolle Männer. Und da mag die Spaßbremse da noch so sehr die Augen verdrehen: Das waren schon wilde Zeiten, damals, da ging es noch ab.
Aber nicht dem, der das nüchtern betrachtet.
Er denkt sich: Arme Säufer, sogar damals schon mußten sie durch Alkohol ersetzen, was sie nicht an Erlebnissen hatten. 
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