Das berühmte Orakel von Delphi hatte es noch gut: Es war weltweit einzigartig. Zudem konnte es sich Zeit lassen für eine Vorhersage. Historiker behaupten, man hätte hierfür Spione in allen wichtigen Städten der bekannten Welt beschäftigt, deren Informationen ausgewertet und dann in eine Prognose verwandelt wurden.

Die guten, alten Zeiten.

 

Aber die sind bekanntlich vorbei (die waren zu allen Zeiten schon vorbei).

 

Heute hat jeder einzelne Fernsehsender ein eigenes Orakel. Und dabei ist man nicht wählerisch. Jedes Tier oder jeder Mensch kommt hierfür in Betracht, vom Papagei oder Frettchen über Schweine und Alpakas bis hin zu Elefanten ist alles vertreten, was Fauna so hergibt. Und auf menschlicher Seite ist sich manch schlichtes Gemüt nicht einmal zu schade, mit Brüsten weiszusagen (um nicht zu sagen, den Menschen etwas weiszumachen), mit breiter Brust wird da also vorgegangen.

Bei der Fülle an Verhersagen ist die statistische Wahrscheinlichkeit, daß Prophezeihungen auch eintreffen, entsprechend hoch (auch, wenn einen die Maskottchen im Einzelnen oder Doppelpack nicht so ansprechen).

 

Und so klammert man sich derzeit an einen Elefanten, der nach mittlerweile vier Treffern Italien das Aus im Halbfinale der Europamesterschaft ankündigt.

 

Tierisch, wenn auch tierisch nervig.

 

Chancen aber, wie das berühmte Vorbild in Grichenland, die Jahrtausende zu überdauern, hat kaum eines der Seher oder Seherinnen.

Das immerhin kann man vorhersagen.

 

Dessen bin ich mir sicher, soweit kann ich den Orakeln das Wasser reichen.

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