Läuse im Haus sind eher unbeliebt, außer es steht "Niko" davor. Da werden plötzlich Schuhe geputzt (wobei: Putzen moderne Kinder, gerne auch "Kids" genannt, noch Schuhwerk?) und vor die Tür gestellt. Dann bersten sie des Morgens vor Süßigkeiten, die man allerdings auch sonst rund ums Jahr in Hülle und Fülle bekam (auch das war früher anders).
Gesponsert von Ihrem freundlichen Zahnarzt an der Ecke.

Plombenzieher en masse.

Da werden Kinderaugen größer (zumindest im deutschen Liedgut und kitschigen Weihnachtsmärchen, aber das sind eben alles Märchen) und erstrahlen in einem festlichen Glanz, da das heißt: Bald gibt es noch mehr Geschenke. Viel Elektronikkram, den die Eltern in großen Tüten aus großen Geschäften geholt haben. Aber angeblich stammen sie vom Christkind (wenn man Glück hat) oder vom Weihnachtsmann (wenn man amerikanischer Patriot ist).
Was ist der Sinn von Weihnachten?

Natürlich wissen vor allem die Einzelhändler genau, daß sie ohne die Weihnachtszeit aufgeschmissen wären.

Nur mit Ostern und neuerdings Helloween allein könnte man sein karges Dasein nicht fristen. Da müssen schon Berge von Waren (wenn der Berg nicht zum Kunden kommt, muß der Kunde eben zum Berg kommen) umgesetzt werden, was normalerweise nur im Dezember der Fall ist. Vor Weihnachten hetzt man von Geschäft zu Geschäft. 
Und auch nach Weihnachten.

Um den ganzen Ramsch umzutauschen.

Aber so weit sind wir noch nicht. Noch sind 18 Fenster der immer größer werdenden Adventskalender zu öffnen, bis man Gott sei im wahrsten Sinn des Wortes Dank die ganze Aufregung und Anstrengung schon wieder hinter sich hat. Bis dahin muß es auf einem Sechstel des Weges etwas Süßes in Kinderschuhen tun. 
Obwohl die Süßwarenindustrie schon gar nicht mehr in den Kinderschuhen steckt.

Und Nikoläuse spätestens seit September schon in den Auslagen von der frohen Botschaft künden, man werde jetzt viel Umsatz machen. Nikoläuse werden auch immer größer und aufwendiger. Waren sie früher handlich und in bunte Aluminiumfolie verpackt, so gehen sie jetzt bis zum Knie, sind nackt unter durchsichtige Plastikfolie und mit dreierlei Schokolade verziert: Dunkelbraun, hellbraun und weiß. Konnte man früher so einen Kerl mit einem Happen in den Mund nehmen, so ist das Ganze nunmehr eine vollwertige (allein allerdings, was die Kalorien anbelangt) Mahlzeit für eine dreiköpfige Familie. 
Wenn Mama und Papa überhaupt etwas abbekommen.

Und nicht nur Junior, der Fußboden und alle Spielzeuge, die danach angefasst werden.

Immerhin: Das hat sich nicht geändert. Und wer wird denn schimpfen, wo doch die stille Zeit angebrochen ist. Und alles vom Geist der Weihnacht erfüllt ist. Nicht von dem der vergangenen, aber dem der zukünftigen auf jeden Fall. 
Und wie sieht die aus?

Nikolausia, weil man auch weibliche Nikoläuse nicht diskriminieren darf?
Aus Erdöl, wenn man Geld hat und das Erdöl knapp wird?
Virtuell, wenn es Nikoläuse nur noch für die Wii gibt?
In einem Schiff, wenn alles Eis geschmolzen ist?

Oder doch wieder klein, der Krise geschuldet?

Man wird sehen.  
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