Soziologen sind anscheinend der Meinung, daß die einzige Bestimmung des Menschen ist, Nachkommen hervorzubringen. Denn wenn der Nachwuchs aus dem Haus ist, wird das gerne als "leeres Nest" (natürlich auf denglisch: "Empty Nest") bezeichnet. Ein wertloses Nest, das nichts mehr wert ist, so klingt es jedenfalls. 
Obwohl noch die Eltern drin wohnen bleiben.

Aber Eltern zählen offenbar nicht, jedenfalls nicht ohne Kinder.

Wobei Eltern nur allein durch den Wegzug der Kinder die Elterneigenschaft nicht verlieren. Und auch neben Eltern noch Arbeitnehmer, Steuerzahler, Hausbewohner, Ehegatten, Hobbyköche oder was auch immer sind. Aber reduziert auf die Reproduktionsfähigkeit haben die beiden ihre Schuldigkeit getan und vegetieren den Rest ihres dann sinnentleerten Lebens schlicht dahin.
Gibt es kein Leben ohne Kinder?

Vorher gab es das doch auch. Als man selbst noch jung war.

Und nun nicht mehr gebunden an Ferienzeiten und Taxidienst kann doch nun das Leben wieder genossen werden. Keine Rücksicht mehr auf heikle Geschmacksprobleme, man kann von Karotten über Broccoli bis hin zu nicht paniertem Fisch alles genießen, was sonst auf entsetzte Blicke trifft. Und es laufen auch keine Horden lauter Raucher mehr ein, die mit ihrem steinzeitlichen Grölen alles andere übertönen. Es findet sich auch im Papiermüll kein Plastik mehr, (weil man früher keine Zeit hat zu trennen - das müssen die Alten) und auch der Verpackungsmüll für Tiefkühlpizzen nimmt spürbar ab. Musik, die man nicht mag, muß man nicht mehr hören und die, die man mag, kann man jederzeit genießen. Werkzeug bleibt dort, wo man es hingetan hat und findet sich nicht an sonderbaren Plätzen wieder (allein, was man Zeit spart, sich zu ärgern und zu suchen!).
Man ist wieder sein eigener Herr.

Wenn sie nicht ständig zurückkommen. Und schmutzige Wäsche bringen und Lebensmittel abholen.

Und es warten ja irgendwann die Enkel auf einen, schließlich soll es ja der soziologische Sinn von Großeltern sein, auf die übernächste Generation aufzupassen. Daß die nächste Generation Zeit hat, wofür man selbst beim Aufpassen auf die eigenen Kinder keine Zeit gehabt hätte.

Die Kinder hätten so etwas früher als "sturmfreie Bude" bezeichnet.
Jetzt heißt das "leeres Nest" und trifft irgendwie immer dich. 
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