Alle Jahre wieder vor allem ein Problem: Wie wird die familiäre Anwesenheit der verschiedenen Angehörigen koordiniert? Alle auf einmal am Heiligen Abend, dann hat man es hinter sich? Dann aber sitzen viele Menschen unterschiedlicher Befindlichkeit aufeinander. Streit ist vorprogrammiert, vom unvermeidlichen Streß gar nicht erst zu reden. Dummheit trifft auf Intellekt, Vorliebe für Volksmusik auf Klassikfreunde. Linke hocken auf Konservativen, wenn also gar Politik im Spiel ist, kippt die Stimmung schnell. Das kann in eine Saalschlacht ausarten. Also muß man die einzelnen Gruppierungen trennen. Und in Etappen einladen oder sehen. Weihnachten besteht aus drei Tagen, man kann die feierliche Langeweile also ein wenig aufteilen. Dann kommen sie gestaffelt, die unterschiedlichen Ansprüche.
Nicht jeder mag alles, was es zu essen gäbe und nicht jeder sieht jeden gerne.

Aber uns mutet man zu, daß wir alle sehen.

Jedenfalls ist Weihnachten ein Fest der Familie. Aber keines für die Familie. Denn man lernt die Familie wieder fürchten. Man hat dann allerdings ein Jahr Zeit, sich von den Anstrengungen zu erholen, bis man sie wieder nötig hat, die Rekreationsphase. Dann tröpfeln sie ein, die lieben Verwandten und bringen Geschenke mit, erwarten aber auch ebensolche. Hat man etwas geschenkt, daß biliger war als das, was man im direkten Gegenzug bekam? Man redet über das, was einem so einfällt, wenn einem etwas einfällt und sitzt viele Stunden gelangweilt herum und wundert sich, was manchen so einfällt.
Oder eben nicht.

Gepflegte Langeweile, wenn man Glück hat. Ungepflegte Langeweile, wenn man Pech hat.

Je jünger die Anwesenden, desto mehr erschöpft sich der Sinn von Weihnachten in einer Bilanz, was man an Gaben herausgeholt hat und der Zeit, die man dafür mit alten Leuten zubringen mußte. Je älter die Gäste, desto mehr Krankheiten und Verstorbenen werden thematisiert. Wenn man die Kranken oder Toten nicht kennt oder kannte, dann macht das nichts. 
Hauptsache, man redet darüber.

Ist doch interessant, was fremden Menschen so zustößt. Oder, was man darüber gehört hat.

Immerhin hat man gut gegessen, vielleicht sogar gut getrunken. Man sündigt heute mal schließlich ist Weihnachten. Da schaut man nicht so sehr auf die Kalorien. Allerdings wird gerade von den Damen immer wieder darauf hingewiesen, daß man diese Portion auf keinen Fall essen könne.
Um dann stundenlang noch Plätzchen in sich hineinzustopfen, die anscheinend kaum dick machen.

Zum Teil liegt die Phase des Dickwerdens auch schon eine gewisse Zeit hinter den Naschenden: Sie sind es schon lange. 

Dann wird es irgendwann spät und müde Erwachsene ziehen mit quängelnden Kindern wieder ab. Noch schnell die größten Schäden beseitigt, dann ab ins Bett.
Geschafft.

Wann ist übrigens der nächste Pflicht-Geburtstag? 
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