Das kann der Mensch: Gleichzeitig von zwei sich widerstrebenden Gefühlen überwältigt zu werden. Gleichzeitig jemanden zu hassen und zu lieben, sich gleichzeitig überlegen und unsicher zu fühlen. Vor allem aber: Gleichzeitig mitleidlos etwas zu tun oder unterlassen und Mitleid zu empfinden.
Das vor allem gegenüber Menschen, die auf Mitleidstour sind.

Das bezeichnet nicht nur die Taktik, sondern auch den beschriebenen Weg.

Denn diese Mitleidheischenden klappern alle möglichen Anlaufstellen an, von denen sie sich etwas erhoffen. Das müssen nicht einmal große Gefallen sein, denen man nachjagt; manche sind auch für kleine Gefälligkeiten bereit, weite Wege zu gehen. Andererseits gibt es auch wirkliche Anliegen, die an einen herangebracht werden. Da muß man zum einen aber gegensteuern, um nicht von allen Schmarotzern und Parasiten aufgefressen zu werden, aber dennoch Mensch bleiben.
Sich zu sehr vereinnahmen zu lassen, kann einen das letzte Hemd und auch den letzten Nerv kosten.

Sich aber zu distanziert zu zeigen, bedeutet, wenig Empathie zu besitzen.

Denn viele der Geschichten - oder was davon wahr sein mag - rühren einen verständnisvollen Menschen in jedem Fall. Dennoch kann man nicht das Unglück der Welt auf den eigenen Schultern tragen.
Sondern muß sich mit Hilfeleistungen auf schmalem Gebiet begnügen.

Das sollte aber möglich sein.

Man muß also doch auch einmal jemandem etwas abschlagen, ohne ihn aber gleichzeitig vor den Kopf zu schlagen. Mit schlagenden, charmant vorgetragen, ist es allerdings nicht immer getan. Zuweilen muß man auch einmal allzu deutlich werden, um deutlich zu machen, daß bei einem nicht immer etwas zu holen ist.
Wer einem dabei Egoismus vorwirft, den trifft der Vorwurf meist selbst.

Man wirft anderen oft etwas vor, was man bei sich selbst als vorhanden ahnt.

Dennoch bleibt auch bei erfolgreicher Abwehr manchmal ein schlechtes Gewissen zurück. Hätte ich doch nachgiebiger sein sollen? Nur in diesem Fall? War hier Härte nicht angebracht? Oder hat man sich hier nur eines Unmenschen erwehrt, der vom Mitleid fremder Menschen lebt?
Wenn man es nicht fühlt, kann man es nicht fühlen.

Aber Leid tun kann einem der Geschmähte jedenfalls.
Das nützt diesem nichts.

Aber einem selbst.

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