Böse Zungen unterscheiden zwischen der öffentlichen Meinung und der veröffentlichten Meinung. Auf diese Art und Weise wird wenig weise veralbert, wie Zeitungen und andere Medien gewöhnlich auf ausländerfeindliche Äußerungen reagieren. Während sich in den Feuilletons und Leitartikeln die angeblichen Gutmenschen (sic) gegen diejenigen richten, die sich gegen Ausländer richten (weil erstere letztere verbal richten), sei aber die Bevölkerung auf Seite der Richter aus dem Volke (die aber dennoch keinem Schöffengericht angehören).
So etwa bei den Äußerungen eines Herrn Sarrazin, der sich gegen arabische und türkische Bevölkerungsteile wandte.

Diese seien nicht integrationswillig, würden sich gegen den Staat wenden, diesen aber andererseits skrupellos ausnutzen. 

Da brach sofort der Zorn der Chefredakteure über ihm zusammen. Man wollte ihn gar aus dem Amt jagen, das so gar nichts mit Ausländerproblematik zu tun hat. Wie eine Umfrage, die man kaum nachprüfen kann, nunmehr aber behauptet: Eine äußerst knappe Mehrheit der Bevölkerung von satten 51 % teile seine Meinung.
Klaffen hier also wieder einmal erlaubte Meinung der Medien und tabuisierte Meinung des Volkes auseinander?

Oder muß man sehen, wofür sich noch Mehrheiten finden?

Finden sich nicht auch Mehrheiten für die Wiedereinführung der deutschen Mark? Sollte man nicht auch aus der Europäischen Union austreten? Sollte man nicht für Kinderschänder die Todesstrafe wiedereinführen?
Forderungen, die kaum vernünftige Argumente für sich haben.

Die niemand, der sich auch nur ein wenig auskennt, ernsthaft fordern würde. 

Wobei es auch Mehrheiten gegen Gentechnik und Atomkraft gibt, vernünftige Positionen also, die aber nur teilweise von der Politik beachtet werden. Zudem stellt sich die Frage: Muß man jede Gefühlsregung der Bevölkerung, soweit sich eine Mehrheit findet, immer unmittelbar umsetzen? 
Man weiß längst: Die Masse ist leicht lenkbar.

So fällt die Meinung nach Wiedereinführung der Todesstrafe nachweislich unterschiedlich aus, je nachdem, ob man nach einem spektakulären Verbrechen oder nach der Entdeckung eines Fehlurteils der Justiz die Bevölkerung befragt. Mal finden sich deutliche Mehrheiten dafür, mal dagegen. In Krisenzeiten sucht man sich gerne Sündenböcke. Daß ein Bankier nicht die Schuld bei den Banken sucht, sondern tunlichst bei anderen, entbehrt zudem nicht gerade einer gewissen Delikatesse.
Zudem: Was wäre die Folgerung, die Aussagen des Herrn S. wären wahr?

Alle ausweisen? Das steht mit der Rechtslage nicht in Einklang. Alle härter anfassen? Dito. Oder doch bessere Anreize für Bildung und Sprache schaffen? Die Unwilligen noch für ihren Widerstand belohnen, während andernorts das Geld fehlt? Oder doch die Sache differenziert sehen: Nicht alle über einen Kamm scheren und den Status Quo dem Grunde nach auch akzeptieren; das Rad der Zeit kann man auch mit viel Ressentiments nicht zurückdrehen. Nur nach vorne schauen, aber möglicherweise ohne Vorurteile. Denn diese grenzen aus und erzeugen möglicherweise erst den Zustand, der hier angekreidet wird; ein gesellschaftliches Perpetuum mobile.
Integration ist keine einseitige Schuld.

Man muß die Menschen auch annehmen.

Das klappt im übrigen weltweit, fremde Menschen irgendwo neu Fuß fassen zu lassen. Warum soll das bei uns eigentlich nicht
funktionieren? Weil das ein verbissener Bankmensch auch in den zwischenmenschlichen Bereichen wenig Menschlichkeit erkennen läßt?

Vorsicht vor den Aufpeitschern, die haben Deutschland schon einmal nicht zum Besseren geführt.

Und daß sich dafür Mehrheiten finden, ist nicht unbedingt ein Grund zum Jubeln. 
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