Es war abzusehen, daß auch dieses Thema wieder aufkommt. Nachdem die neue Regierung sich an ihr Wahlversprechen gebunden fühlt, die Steuern nicht zu erhöhen, sondern alle Bürger zu entlasten, müssen neue Geldquellen erschlossen werden. Wie soll eine Verminderung der Einnahmen angesichts einer Krise, die Geld kostet, auch sonst kompensiert werden?
Zwar könnte man schleichend nach einiger Zeit ein paar Steuern erhöhen, wenn die Wahl schon einige Zeit zurückliegt und das Gedächtnis der Wählerschafe nachläßt.

Allein, man braucht sofort Geld.

Und dafür soll nun die heilige Kuh der PKW-Maut geschlachtet werden. Und das in einem Land, in dem sich, um im Bild zu bleiben, die Autofahrer jetzt schon als die Melkkühe der Nation stilisieren (nicht sterilisieren, das droht nicht einmal dem Ertrag, der Milch, also der Maut). Und hierfür wurden sogar eigene Parteien gegründet, deren einziger Programmpunkt ist, Auto fahren und Steuer zahlen sollte kostengünstiger sein.
Aber irgendwann wird die Maut umumgänglich sein.

Schließlich kann man auf das benachbarte Ausland verweisen, in dem auch die Benutzung von Straßen kostenpflichtig ist. Und vielleicht kann man den Ärger, den so mancher Bundesbürger darüber empfindet, daß er im Ausland zahlen muß, die Ausländer in Deutschland aber nicht, im Zuge dieser Änderung gewinnbringend kanalisieren. Und gewissermaßen als Rache an der Raffgier der Nachbarn verkaufen, um von der eigenen Raffgier abzulenken.
Denn es darf nicht vergessen werden: Der Bürger hat die Straßen ja längst bezahlt.

Denn auch diese wurden aus Steuergeldern finanziert. 

Und die Steuern haben die Bürger entrichtet. Der Bürger muß also Geld für die Benutzung von etwas zahlen, das er selbst bezahlt hat. Das erscheint ein wenig paradox. Man stelle sich vor, man müßte für ein eigenes Haus, das man bezahlt hat, auch noch Miete zahlen. Wenn es auch vor allem um die Instandhaltung der Straßen geht. Und im Falle einer Maut zahlten auch die Ausländer mit, nicht nur die Inländer.
Jedenfalls sollten sich Mehreinnahmen ergeben.

Und noch ein schöner Nebeneffekt stellte sich ein: Der Arbeitslosigkeit könnte man damit auch ein klein wenig Herr werden.
Denn das System der LKW-Maut eignet sich für einen Fuhrpark von 40 Millionen bundesdeutschen und vielen ausländischen Personenkraftwagen wohl nicht. Insofern wird man wahrscheinlich an die Einführung einer Vignette denken, nach österreichischem Vorbild. Am besten aber wäre es, nach italienischem Modell Kassenhäuschen einzurichten, wo Menschen die Vignetten verkaufen oder auch die abgefahrenen Scheine und das Geld für die gefahrene Strecke entgegennehmen.
Das kostet dann zwar Gehälter an die Bediensteten. 

Aber man spart sich dadurch Arbeitslosengeld und Beschäftigungsprogramme (darüber habe ich bereits geschrieben).

Wenn man das gegenrechnet, könnte man auch insofern auf ein Plus kommen. Von der Würde, die man Menschen gibt, wenn man sie arbeiten läßt, gar nicht erst zu reden. Und man belebt dadurch auch die Konjunktur, denn wenn vorher finanziell in Schwierigkeiten befindliche Bürger Geld haben, dann geben sie dieses auch aus.
Eine Gewinn-Gewinn-Situation.

Nur die Anwohner an Landstraßen werden zu den Verlierern gehören. 

Denn für Kurzstrecken - oder je nach Geiz auch für längere Strecken - werden die Straßen parallel zu den Autobahnen stärker frequentiert werden.
Oder könnte man auch da eine Maut verlangen (die in gutem Deutsch "Maut light" heißen könnte)?

Nicht zu vergessen, daß über die Möglichkeit der Parkzonen in den Städten auch Einnahmen noch gesteigert werden könnten. 

Wenn die Regierung also daran denkt, die Maut einzuführen, hält sie ihre Versprechen, die Steuern nicht zu erhöhen. Ob sie allerdings wiedergewählt werden wird, das steht in den Sternen. 
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