Fast jeder hat doch einen Lieblingswitz, einen Witz, den er immer wieder gerne erzählt oder auch gerne erzählt bekommt. Bei letzterem mag dann an der Erzählkunst des Erzählers liegen, daß man immer wieder über dieselbe Pointe lachen kann. Aber auch in trauter Runde werden immer wieder dieselben Geschichten erzählt und gemeinsam an den richtigen Stellen gelacht.
Vielleicht ist das auch sozialer Kitt, ohne den so manche Gesellschaft schon in seine Einzelteile zerfiele.

Aber was ist eigentlich mit denjenigen, die eher ernsthaft veranlagt sind?

Denen man nachsagt, sie gingen zum Lachen in den Keller, wo man sie nicht beim Lachen beobachten kann. Vielleicht gehen sie auch einfach mal in den Keller, um in Ruhe ernst sein zu dürfen. Manchmal ist einem halt nicht zum Lachen zumute. Wenn man etwas trauriges erlebt hat oder auch nur jemand ist, dem das ständige Gegackere über dieselben, alten Geschichten auf die Nerven geht. Schlechte Witze sind auch nicht jedermanns Sache.
Man will nun mal nicht immer nur lachen.

Lachen soll ja gesund sein. Aber ernst zu sein, muß nicht ungesund sein. 

Schließlich wird man weder von einem Polizisten in der Verkehrskontrolle geradezu ausgelacht werden, der Pfarrer sollte sich zumindest während der Predigt nicht ständig vor Lachen ausschütten und auch die Nachrichten stimmen nicht immer nur heiter. Hurra, morgen wieder Regen den ganzen Tag lang und die Steuern werden auch erhöht, das ist ja zum Totlachen.
Und, wie gesagt: Es ist nicht jeder eine Frohnatur, der rund ums Jahr oder ab 11. November auf Knopfdruck gut gelaunt ist (Pappnasen erkennt man auch an den Pappnasen).

Wäre dem so, würden Stimmungskanonen auch nicht auffallen.

Also muß es auch das Gegenteil geben. Spaßbremse zu sein, ist zwar negativ besetzt, aber wenn es die Natur so gewollt hat, sollte man derselben nicht durch künstliche Komik ins Handwerk pfuschen. Es ist nicht verboten, seinem Naturell zu folgen. Man wird mit solch einer Veranlagung vermutlich nicht reich und berühmt (wobei so mancher ernste Musiker oder Schriftsteller das Gegenteil beweist). Aber wenn es dem eigenen Glück dient, warum sollte man sich dann zugunsten der anderen verbiegen und zu seinem eigenen Unglück beitragen?
Und was genießt dann solch ein Mensch am meisten?

Seinen Lieblingsgedanken, der natürlich ernster Natur ist.

Er hat Freude daran (ohne aber deshalb zu lachen), sich ernsten Dingen hinzugeben. Hätten sich die großen Erfinder und Entdecker nur Zerstreuungen hingegeben, sähe die Welt wohl auch anders aus. Es gäbe vieles nicht, was uns heute Spaß macht.
Man könnte dies hier dann auch gar nicht lesen.

Was vielleicht witzig wäre.

Wenn man überhaupt lesen könnte, denn auch die Lehrer haben nicht nur Witze gerissen, ich habe meine als eher ernst in Erinnerung. Von Zeit zu Zeit mußte auch mal das eine oder andere ernste Wort gesprochen werden, um unserer Herr zu werden.
Ohne diese ernste Pädagogik könnte ich auch nicht schreiben.
Und, seien wir einmal ehrlich: Auf die Dauer beginnt Witzigkeit auch zu nerven. Ständig nur bunte Fröhlichkeit geht einem irgendwann gehörig auf den Senkel.

Und was lernt man daraus? Nur der Ernst des Lebens bereitet auf den Ernst des Lebens vor. 
Denn Fröhlichkeit kann man von ganz allein.

Aber ernst sein will gelernt sein.
Zurück zu Home