Man stelle sich vor, man geht auf eine Veranstaltung im Zeichen der Musik. Unter freiem Himmel, ein Großereignis, wo man Hunderttausende erwartet. Das Wetter spielt mit, die Musik spielt, laut und tanzbar. Man ist jung und es ist Sommer und die Sonne scheint. Leider stellt sich heraus, daß allen Unkenrufen zum Trotze die Veranstalter alle Sicherheitsbedenken hinten an gestellt haben und sich hierbei mit der Stadt verbündet haben, in der das Ganze stattfindet. Die Loveparade hat ihren Glanz und ihren Ruf. Und über eine Million folgen diesem, was absehbar war.

Und man gerät dadurch in Gefahr, hätte sogar sterben können.

 

Und was muß man sich dann alles anhören.

 

Da hat zunächst einmal niemand Schuld, es soll sich um Schicksal handeln. Weder der ehrgeizige Bürgermeister, der nicht einmal Bedenken seitens der Polizei ernstgenommen hat. Noch der Veranstalter, der eine Billigkette an abgespeckten, abspeckenden Fitnessstudios betreibt, nicht gerade ein Experte also bei der Organisation von solchen Mammut Veranstaltungen ist. Aber damit nicht genug: Eine abgehalfterte Moderatorin hält die Katastrophe für eine Art Strafe Gottes für unsittliches Treiben. Sodom und Gomorrha wurde für zwanzig junge Menschen mit der Todesstrafe geahndet.

Daß jeder die Schuld von sich weißt, mag man ja noch verstehen.

 

Aber die Schuld letztlich bei den Opfern selbst zu suchen, das ist nichts weniger als empörend.

 

Auch das ist Sünde, den ersten Stein zu werfen. Und der Trauer der Angehörigen und dem Entsetzen einer ganzen Nation Hohn zu spotten. Wäre man doch lieber bei seinen Dümmlichkeiten abstruser Theorien zum Heimchen am Herd geblieben, das kann man zumindest mit einem kurzen Kopfschütteln quittieren, fordert hier zum Abscheu heraus.

Will man der bloßen Sensationsgier willen auf Biegen und Brechreiz provozieren?

 

Eva Herrman trägt den Namen der ersten Frau und führt sich auf wie die letzte.

 

Die Letzte macht das Licht aus. Das macht es aus, sich aus dem gesellschaftlichen Abseits in demselben zu halten.

Besser, man hätte einfach mal seinen Mund gehalten.

Zurück zu Home