In die Lehre gehen bedeutet, nicht Herr zu sein. Lehren zu geben, ist aber heutzutage auch keine Herrentätigkeit mehr. Mag man früher gedacht haben: Wenn ich erst groß bin, dann kehrt sich das Blatt. War ich früher der Schüler, der Untertan, der Unterprivilegierte, dann lasse ich es aber krachen, wenn ich erst mal am Zug bin. Dann habe ich die Autorität und die Jungen werden mir ob meines Wissens an den Lippen hängen.
Jetzt wäre ich am Zug.

Aber die Zeiten haben sich gewandelt.

Und die Rechte der Jugend hat zugenommen und die der Erwachsenen, so scheint es, haben abgenommen. Wo die Älteren doch zunehmend in der Mehrheit sind. Wie kann eine unerfahrene Minderheit eine Mehrheit reich an Erfahrungsschatz in Schach halten? Oder ist man im Alter einfach nachsichtiger und erträgt viel mehr schweigend?

Die Welt, so hat es den Anschein, ist mehr und mehr auf Jugend zugeschnitten. Die Werbung suggeriert, daß allein der Jugend die Welt und die Freude am Dasein gehört. Das Fernsehprogramm, die Mode, das Warensortiment der Kaufhäuser, ja sogar der Schreibstil der Zeitungen paßt sich mehr und mehr einem jungendlichen Stil an.
Und die Reiferen haben das Nachsehen.

Oder das Aussehen von Jugendlichen. Jedenfalls deren peinliche Aufmachung, jedenfalls in der Lebensmittekrise.

Wo bleibt eigentlich das Selbstbewußtsein der nicht mehr jugendlichen Menschen, nicht mehr jugendlich zu sein? Muß sich alles dem Jugendwahn unterordnen? Lehrjahre werden Herrenjahre und Herrenjahre sind Hundejahre? Wohl dem, der nichts als jung ist, wehe dem, der nichts als nicht jung ist?
Welche Lehre kann man daraus ziehen?

Keine, denn sie wird sich in späteren Jahren ohnehin nicht durchsetzen.

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