Was hatte man früher für eine Palette zur Verfügung, um wohlschmeckendes Essen zu loben: Da jubelten die Geschmacksknospen, da schmeckte es einem in der Seele gut, die Mahlzeiten waren sehr aromatisch, man sprach von "wohlfeiler Atzung" oder "wunderbarer Geschmackskomposition". Gar nicht zu reden von schlichtem "gut", "sehr gut", "wie bei Muttern" oder "perfektem Gaumenschmauß".

Vorbei. Die Sprache für Essen in Deutschland ist hoffnungslos verarmt.

 

Auf ein einziges Wort: "Lecker".

 

In den 90er Jahren schwappte das Wort erstmals in die Münder der Leckermäulchen, um als letztes den Sieg über alle sonstigen Beschreibungen von Gaumenfreuden zu obsiegen. Essen ist auf zwei Zustände digitalisiert worden: Lecker oder nicht lecker. Sogar Fernsehsendungen tragen diesen Titel (die zweite Alternative folgt sicher demnächst im Privatfernsehen).

Mit diesem Wort kann man nichts falsch machen.

 

Aber auch nichts richtig.

 

Ob das auch mit einer Verarmung der Küche einhergeht? Wobei die vernetzte Welt auch den Mund für fremde Speisen geöffnet hat. Von der schon heimischen Pizza über den unvermeidbaren Döner und Hamburger hin zu exotischen Thai-Currys und Sushi war der Speiseplan der Deutschen noch nie - und zwar flächendeckend - so abwechslungsreich wie heute.

Und gleichzeitig ist die Sprache, die man für all diese Genüsse findet, nur noch auf ein schlichtes Wort reduziert.

 

Vielleicht fehlt zunehmend die Zeit, sich Gedanken zu machen und möglicherweise noch der Nahrung mehr abzugewinnen als ein Wort für ein positives Urteil und mit dem Voranstellen des Wortes "nicht" für ein negatives Urteil. Orwells Neusprech hat sich in Deutschland von selbst entwickelt. Zeigt sich darin auch der Zug der Zeit, das Essen nur noch als leidige Angelegenheit zu betrachten, die es gilt, zeitsparend zwischen viele unnütze und weniger unnütze Aktivitäten zu pressen? Braucht man keine Nuancen in der Ausdrucksweise mehr, weil man keine solchen aus dem Einheitsbrei der Weltbevölkerung mehr herausschmeckt?

www.lecker.de

 

Wobei: "Lecker" kommt wohl von lecken. Wer also nur an etwas leckt, der kann nicht den ganzen Geschmack in sich aufnehmen.

Ich weiß, was Sie sagen Wollen.

 

Leck' mich. 

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