100 1297Hier eine kleine Zusammenfassung der Ereignisse rund um die Aktion, ein Schwarz-Weiß-Gemälde von Herrn von und zu Guttenberg auf Ebay zum Verkauf anzubieten.

 

6.3.11. (Sonntag) Nachdem ich mittags den letzten Pinselstrich getan habe, fotografiere ich das Bild, das noch gar nicht ganz trocken ist. Und stelle es auf Ebay ein. Dazu verfasse ich folgenen Text:

"Er ist der Hoffungsträger der CSU und war bis vor kurzem Verteidigungsminister. Nach seinem Rücktritt - einmalig in der Politik - formieren sich bundesweit Unterstützergruppen und gehen für seinen Rücktritt vom Rücktritt auf die Straße. Alle wollen ihn wieder, Sie können ihn hier exklusiv ersteigern - und das ab 1,- EUR!

Erwerben Sie jetzt dieses wunderbar mordern interpretierte Portrait des strahlenden Politikers von Adel. Sie können hier dieses Original erwerben -  es handelt sich NICHT um eine Kopie. Ungeschönt können Sie damit ein Zeichen setzen und sich Hochwohlgeborenes und Zeitloses an die Wand hängen. Und Sie können damit Teil einer Kunstaktion (wie Kunstauktion) werden.

Gemalt wurde dieses Bild von einfeindesein, einem Ingolstädter Künstler, der sich der Portraitmalerei verschrieben hat. Im Format 60x80 cm, ganz altmodisch gemalt mit Pinsel und Kalkfarbe auf Leinwand über Keilrahmen.

Abholung ist möglich (dann ist ein Kaffee im Preis inbegriffen). Rückgabe und Gewährleistung ist aber ausgeschlossen."

Dann gehe ich auf Facebook in die Gruppe "Gegen die Jagd auf Guttenberg" und mache ein bißchen Reklame. Gleich droht mir ein Anhänger mit dem Staatsanwalt. Auch lade ich das Bild auf meiner Seite hoch und ein paar meiner Freunde kommentieren mein neues Werk, wobei auch faule Eier erwähnt werden. Ein paar Freunden "gefällt das", was auch daran liegen kann, daß es keinen "Gefällt mir nicht"-Button gibt. Einige wenige schauen sich das Bild an, es gibt einen ersten Beobachter.

 

7.3.11 (Rosenmontag) Der Anfang ist zäh. Bis abends haben sind gerade mal 20 Besucher den Artikel bei Ebay angeschaut. Ich erwähne die Aktion im Forum von "Spiegel Online". Daraufhin bietet die erste Dame einen Euro. Immerhin: Der Anfang ist gemacht. Die Anzahl der Beobachter steigt auf 3.

 

8.3.11. (Faschingsdienstag) Immerhin schon 29 Besucher. Ansonsten nicht allzu vielversprechend. Mit einem Euro wäre nicht einmal der Materialwert erwirtschaftet. Kaufen manche auch billige Bilder, um sie zu übermalen, allein der Leinwand wegen? Allerdings käme der Zahlbetrag auf 11,- EUR inklusive Transport, was wiederum ein wenig teuer wäre für eine Leinwand, die man noch dazu erst neu weißeln müßte. Nachmittags dann steigt der Preis rasant - auf unglaubliche 3,50 EURO. Dies nach 36 Besuchern und einem Freund, der "virale" Werbung auf Facebook macht. Es geht voran.

Abends sind es schon 49 Besucher, aber Gebote gibt es nach wie vor nur 2. Nachts sind es schon 57 Besucher. Noch das Portrait ohne Verweis auf Ebay nochmal auf die Anhängerseite der "Gegen die Jagd auf Guttenberg"er eingestellt und sofort ein paar "Gefällt mir"-Klicks erhalten, allerdings auch die Kommentare, wonach das Bild aussähe wie Lothar Matthäus oder Soundso Berger (wer immer das sein mag). Schnell aber wird das Bild vom Administrator gelöscht. Dem ist das wohl nicht ganz geheuer. Kopien schnell zu löschen, das haben sie wohl gelernt, die Gutenberg-Unterstützer. 

 

9.3.11 (Aschermittwoch)  Bei einer Besucherzahl von 66 ist von nunmehr 4 Bietern der Auktionspreis auf satte 10,- EUR angestiegen. Wenn ich damit reich würde, muß ich wohl das Geld einem wohltätigen Zweck spenden. Gibt es eine Hilfsorganisation für Doppelgänger, also für Kopien des Originals? Nachmittags haben sich 71 Menschen auf die Seite verirrt. Jemand schreibt in Facebook, was denn in mich gefahren wäre. Die nehmen mich zu ernst. Oder nicht ernst genug. Jedenfalls setze ich die Transportkosten auf 6,90, wie es eigentlich von Anfang an beabsichtigt war. Ich will ja nicht wirklich etwas an dem Bild verdienen, was aber auch aller Voraussicht nach nicht der Fall sein wird. Habe ich ein Glück. 

Nachts sind's immerhin 74 Besucher. Wo bleiben all die Kunstfreunde? Oder Kunstfeinde? Oder angeblichen Anhänger von Herrn von und zu? Sollen doch unglaublich viele sein. Oder sind es doch nicht so viele? Dann also die Gegner, wo sind die alle? Würden die sich die Gelegenheit entgehen lassen, solch ein Bild aus dem Verkehr zu ziehen?

 

10.3.11 (Donnerstag)  Mit 77 Besuchern liegt nicht gerade eine Welle des Hysterie vor und die Zahl der Beobachter ist über Nacht auf auf 2 geschrumpft. Ich sehe schon: Ich kann meinen Job doch nicht kündigen. Schaut es dumm aus, wenn ich nur 10,- EURO spende? Werde wohl noch etwas drauflegen müssen, damit es nicht so armselig aussieht. Dann ein paar Emails versandt, an Freunde und Bekannte, die mich hoffentlich deswegen nicht verfluchen mögen. Vielleicht kurbelt das die ganze Sache noch einmal an. Und tatsächlich: Der Preis schnellt auf epochale 10,50 hoch und auch die Zahl der Beobachter klettert wieder auf 3. Hurra, es geht aufwärts. Und nachmittags sogar auf 11,50. I werd' narrisch. Nachts sind es sogar 82 Besucher. Noch die Ebay-Seite einmal in einem Kommentar im Forum des Donaukuriers verlinkt. Mal sehen, ob das Wirkung zeigt.

 

11.3.11 (Freitag) Kein weiterer Bieter, allerdings hat ein Beobachter das Handtuch geschmissen. Immerhin ist die Anzahl Besucher auf eine - gerade mal so eben - dreistellige Zahl angewachsen. Vielleicht sollte ich mir einen "Gefällt mir"-Button anschaffen, damit auch die Gegner mal reinschauen?

 

12.3.11 (Samstag) Gerade mal 104 Besucher. Die Sättigung scheint erreicht. Oder sind die Menschen schon übersättigt von von und zu G.? Auch die Befürworter wollen nichts mehr sehen und hören von der größten Niederlage des CSU seit Verlust der absoluten Macht. Nachmittags sind es wieder 3 Beobachter und immerhin 134 Besucher. Vielleicht hat es geholfen, daß ich auf Gesichtsbuch das Antlitz des Barons als Profilbild verwende und noch, aus aktuellem Anlaß, einen "Atomkraft? Nein, danke!"-Button darauf verlinkt habe.

 

13.3.11 (Sonntag) 140 Besucher, aber der Preis stagniert. So einen Wertverfall bei Guttenbergs hätte ich nicht vermutet. Und drei-zwei-eins-seins. Der Zuschlag geht an einen ungenannten Liebhaber aus dem Süden. Für 11,50 EUR. Der Markt an Guttenbergs scheint gesättigt. 

Morgen, wenn ich dazu komme, werde ich einige Überlegungen präsentieren, warum ich ihn versteigert habe. Und was man daraus folgern kann. Oder auch nicht. Und warum ich eine Wette verloren habe. Wenn dem so ist, was auch nicht ganz klar ist.

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