Man mag es nicht glauben, aber Perversitäten im Dienste der Öffentlichkeit sind beileibe keine Erfindung unserer Tage. Mag die Brandstiftung Roms durch Nero zum Zwecke der Dichtkunst noch eine geschichtliche Fehlübermittlung sein.

Aber der Tod George V. von Großbritannien sollte doch Anlaß geben nachzudenken.

 

Denn sein Tod wurde zugusten der Berichterstattung beschleunigt.

 

Als er nämlich im Sterben lag, machte sich sein Pressesprecher ernsthaft Sorgen. Ja, der Großvater von Elisabeth II. leistete sich als Erster weltweit solch einen Sekretär. Dieser befürchtete allerdings, der König könnte tagsüber sterben und damit die Todesnachricht in irgendwelchen Abendblättern veröffentlicht werden. Abendblätter, das war etwas für den Pöbel. Ein wahrer König aber stirbt nachts, so daß sein Tod morgends in der ehrwürdigen TIMES zu lesen ist. 

Und, man mag es kaum für möglich halten, als es dem Ende entgegen ging, beschleunigte man das Hinscheiden des Monarchs mit Gift, damit der Adel nicht den Boulevardzeitungen entnehmen müßte, daß der König in die ewigen Königsgründe eingegangen ist.

 

Man leistete also Sterberhilfe im Dienste der Nachrichten.

 

Wer also derlei skurrile Einfälle, um sich ins rechte Licht zu rücken, für Erfindungen des Privatfernsehens oder der "gelben" Presse hielt, der wird hiermit eines Besseren (eigentlich des Schlechteren) belehrt.

Wer hat´s erfunden? Nicht die Schweizer.

 

Da bleibt einem die Luft weg, 

 

Als ihm die Luft weggeblieben war und er eingegangen war, da war es auch um die Moral schlechter bestellt als vorher. Also nicht immer auf die modernen Zeiten schimpfen. Es gibt keine noch so bizarre Idee, die nicht schon verwirklicht war, wenn es galt, daß man der Nachwelt erhalten werden sollte.

Auch, wenn vom eigentlichen Urheber nichts mehr erhalten ist.

 

Den Pressesprecher kennt man heute nicht mehr. Gott sei Dank.

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