Es ist doch eine Überraschung in unserer kommunikationsüberfluteten Zeit, in der man innerhalb von Sekundenbruchteilen rund um den Erdball miteinander in Kontakt treten kann, daß die Kommunikationsfähigkeit der Menschen zunehmend abnimmt. Wie das, wo doch die Maschinen immer kommunikationsfreudiger werden?

Werden nicht auch die Menschen immer kommunikativer?

 

In Wahrheit nimmt die Fähigkeit der Verwender ab, Botschaften vollständig zu entschlüsseln.

 

Das liegt vor allem daran, daß verbale Kommunikation nur einen kleinen Teil der Verständigung ausmacht. Der weit überwiegende Teil der Übertragung von Mitteilungen erfolgt im interpersonalen Gespräch über Gestik, Mimik und Intonation. Es kommt also weniger darauf an, WAS man sagt, sondern vielmehr, WIE man etwas sagt. Der wichtige Teil der nonverbalen Kommunikation fällt bei rein geschriebener Kontaktaufnahme weg, reduziert auf den Inhalt des Übermittelten. Diese Lücke können weder Emoticons noch irgendwelche Kürzel füllen, die Stimmungen transportieren sollen.

Und sich dem Wunschbild des Senders unterordnen, statt unwillkürliche Emotionen zu zeigen.


Man hat sogar festgestellt, daß junge Menschen zunehmend die Fähigkeit verlieren, Stimmungslagen aus Gesichtern zu lesen. Hierzu wurden Studenten Gesichter mit einfachen Gefühlsregungen wie Zorn, Überraschung oder Ekel gezeigt. Und ein deutlich geringerer Anteil - als zu Zeiten früherer Tests - an Personen war fähig, die eindeutigen Gesichtsausdrücke richtig zu deuten. Der Grund hierfür ist wohl, weil gerade junge Menschen, die mit den ganzen virtuellen Welten aufwachsen, es im Alltag nicht mehr lernen, mit Menschen in persona zu kommunizieren. Da wird das Gespräch unter vier Augen durch ein Gespräch zwischen zwei Computern ersetzt und hier fällt neben Gestik und Intonation auch die Mimik weg.

Das ist eine erschreckende Entwicklung.

 

All die Nuancen, die mit dem reinen Inhalt einer Botschaft einhergehen, von Ironie oder Sarkasmus einmal ganz zu schweigen, gehen vollständig verloren zugunsten eines nackten Inhaltes. 

Und man bekommt nicht mehr mit, was der Gesprächspartner in Wirklichkeit sagen will.

 

Was will uns das sagen?


Das sollten wir einmal unter vier Augen bereden.

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