Auf der Suche nach neuen Wörtern bin ich wieder einmal fündig geworden. Hieß es früher, die Revolution fräße ihre Kinder, so - "kannibalisiert" man sie heute. Ja, was auf den ersten Blick wie ein Schreibfehler eines Journalisten wirkt, der zu oft "Robinson Crusoe" gelesen hat, ist das neue Modewort der schreibenden Zunft. Kannibalisieren, das klingt auch viel schockierender.

Die Zeiten, als selbst das Wort "Fressen " statt "Essen" noch ein Tabubruch war, scheinen endgültig vorbei zu sein.

 

Nunmehr mußte ein Wort her, das auf jeden Fall auffällt.

 

Allein, es krankt an der logischen Verwendung. Kannibalen zeichnen sich allgemein dadurch aus, daß sie Artgenossen essen (oder vor mir aus fressen). Kannibalisieren aber wird eher im Sinne von "Verdrängen" verwendet. Und zwar eben nicht artgleiche Dinge werden kannibalisiert. In den Zeitungen kannibalisieren etwa Smartphones Fernseher, was nicht unbedingt das Selbe ist (außer, man legt auf die Größe des Displays keinen gesteigerten Wert).

 

Ein Zeichen des Werteverfalls?

 

Werden hier Werte kannibalisiert? Oder rollt nur ein weiteres Kunstwort durch die blühenden Landschaften, um irgendwann als Wort oder Unwort des Jahres den Sprung in den Duden zu schaffen?

Das macht mir zu schaffen.

 

Ich würde das Wort gerne kannibalisieren.

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