Ist es tatsächlich rassistisch, bei einem mutmaßlichen Mörder darauf hinzuweisen, er sei Rußlanddeutscher? Rassistisch wohl nicht, weil die Herkunft keine Frage der Rasse ist. Aber lassen sich damit Ressentiments erkennen gegen eine bestimmte Volksgruppe?
Hier muß unterschieden werden: Sicher gibt es viele Menschen aus dem Osten, die völlig unauffällig leben.

Dennoch fällt die Gruppe der Rußlanddeutschen auch statistisch auf, überproportional zu ihrem Bevölkerungsanteil. Etwa bei der hohen Zahl der Schulabbrecher oder auch dem niedrigen Anteil an Schülern höherer Bildungsanstalten.

Das liegt möglicherweise schlicht daran, daß Deutschland eben doch kein Einwanderungsland ist. Länder wie Australien, die die Einwanderung forcieren, achten peinlich darauf, daß die Zuwanderer eine abgeschlosssene Ausbildung haben. Die Spätaussiedler aus der ehemaligen UDSSR jedoch wurden vor allem aus politischen Gründen aufgenommen: Weil man dem Gegner im kalten Krieg die Überlegenheit des Westens zeigen wollte ("Aus dem kommunistischen System fliehen die eigenen Leute").
Allerdings kamen vor allem jene, die kein richtiges Auskommen im Osten hatten.

Und das waren vor allem die schlecht Ausgebildeten.

Und diese Gruppe gibt ihre zuweilen fehlende Leistungsbereitschaft an die nächste Generation weiter. Fiel die erste Generation noch nicht auf, sind es nun die Schulversager ohne Chance auf eine Lehrstelle, die vor allem das Bild der Rußlanddeutschen prägen. Und dieses Bild hat im besten Fall mit viel Wodka zu tun, im schlechtesten mit Heroin und Gewalt.
Tut man damit den Rußlanddeutschen Unrecht?

Wobei man auch wahrnimmt, wie sich innerhalb der deutschen Städte Ghettos bilden.

Und man sich seitens der Kinder und Enkel der Einwanderer abschottet gegen alles Deutsche, so wie man sich im Herkunftsland mit deutschen Wurzeln abschottete gegen alles Russische. Wer aber auch nur halbwegs zurechtkam, der hat sein Vaterland nicht verlassen. Sein angestammtes Land zu verlassen, dafür muß man schon sehr verzweifelt sein. Und das waren eher diejenigen, die mangels guter Ausbildung kaum Chancen auf ein gutes Leben hatten.
Da erhoffte man sich mehr im Wunderland Deutschland.

Das sich schnell als gar nicht so wunderbar entpuppte.

Diese Enttäuschung, gepaart mit einer gewissen Lethargie, führt möglicherweise dazu, daß man die russische Herkunft nun verklärt (ohne je etwa in Kasachstan gewesen zu sein). Und sich mit russischer Sprache, vermeintlich russischen Bräuchen und Verhaltensweisen abzugrenzen versucht.
Wenn man schon sonst nichts hat.

Das kann man nachvollziehen.

Aber Auswüchse und Verweigerung gegenüber aller Mitwirkung darf man dennoch nicht zulassen.
Und Gewalt und Ausländerfeindlichkeit erst recht nicht.

Zurück zu Home