Immer, wenn in Deutschland potentielle Terroristen ertappt werden, die größere Mengen explosiver Stoffe horten oder/und Kontakte zu radikalen Islamisten haben, dann geht er wieder los, der Streit: Die einen jubeln, dem bösen Terrorismus wieder den langen Arm des Gesetzes gezeigt zu haben. Die anderen jammern über die Hysterie, die aus derlei Ereignissen gespeist wird und mit denen freiheitsbeschränkende Maßnahmen des übermächtigen Staates gerechtfertigt werden.

Die einen mögen gefragt werden, ob die Festnahme von ein paar halbwüchsigen Bartträgern wirklich so ein riesiggroßer Erfolg sind, daß man damit die Titelseiten füllen muß. Die anderen sind schwerer zu beeindrucken. 

Vielleicht über den Vergleich mit der Atomkraft?

 

Bei Kernkraftwerken fürchtet man einen größten, anzunehmenden Unfall, der aber sehr unwahrscheinlich ist. Wobei das japanische Beispiel zeigt, daß sich die Stochastik auch irren könnte. Dieses Restrisiko ist jedenfalls unwahrscheinlicher als ein Sechser im Lotto. Wobei zahlreiche Lottomillionäre auch hier den kleinen Mathematikskeptiker ins Grübeln bringen könnten. Jedenfalls steht dieser Unwahrscheinlichkeit eines Unglückes ein immenser, potentieller Schaden gegenüber. Allein dieser Umstand - neben dem ungelösten Problem der Lagerung verbrauchten Materials allerdings - nimmt gegen die Energie aus dem Uran ein.

Beim Terrorismus ist das ähnlich: Einem sehr kleinen Risiko steht möglicherweise ein irrwitziger Schaden gegenüber. Wenn man die Terrroisten gewähren läßt, sie hätten auch nichts dagegen, Millionen Menschen zu ermorden. Aber dieser Fall ist wenig wahrscheinlich.

 

Diese Situation scheint mir von der stochastischen Betrachtung her der Atomkraftdiskussion gleich zu stehen.

 

Allein, nicht-konservative Kreise kommen in beiden Bereichen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Während man gegen Atomkraft ist, ist man auch gegen weitreichende Maßnahmen gegen Terrorismus. Vor Atomkraft hat man Angst, vor Terrorismus weniger. Weniger jedenfalls als vor Verboten und hoheitlichen Befugnissen. Während der Staat vor Atomkraft schützen muß, muß man beim Thema Terrorismus vor dem Staat schützen, der einen vor letzterem schützen will.

Angeblich.

 

Bis etwas passieren mag.

 

Dann heißt es, je nach Ereignis, in beiden, politischen Lagern: Wir haben's ja immer gewußt. Momentan weiß man noch nichts "Genaues". Man führe auch besser, wenn man nichts "Genaues" erführe. 

Aber man ist jedenfalls dagegen.

 

Mittlerweile ist auch nicht mehr so klar, wer eigentlich gegen was ist. Früher waren die Fronten klar: Konservative bejahten Kernkraft, Linke waren gegen Atomkraft. Wird die Terrorismusbekämpfung eine ähnliche Entwicklung nehmen?

Vielleicht sollten es die Konservativen mit einer Plakette "Terrorismus? Nein, danke" probieren.

 

Bei der Atomkraft hat das jedenfalls geklappt.

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