So mancher freut sich, daß ein mutmaßlicher Kinderschänder jetzt wieder auf freiem Fuß ist. Obwohl man das nicht so deutlich aussprechen sollte. Denn üblicherweise wird einem "Kinderficker" wenig Sympathie entgegengebracht. Aber wenn er Roman Polanski heißt, ein weltberühmter, preisgekrönter Regisseur ist und die Tat ausreichend lange zurück liegt, macht man da in der öffentlichen Diskussion gerne mal eine Ausnahme.

Da richtet sich der Volkszorn gegen die Strafverfolger.

Sicher, die Verfahrensführung durch die Amerikaner, den Beschuldigten lange Jahre unbehelligt zu lassen und dann die Schweizer zu bitten, an einem besonders öffentlichkeitswirksamen Ort in Haft zu nehmen, ist nicht gerade ein Ruhmesblatt für die Rechtspflege. Lebte der polnischstämmige Weltstar ganz offiziell lange Zeit unter den Eidgenossen, mußte man ihn ausgerechnet anläßlich einer Preisverleihung eines renommierten Filmfestivals festsetzen.
Wobei das Schaffen eines Vertrauenstatbestandes bei nicht verjährten Verbrechen nicht existiert.

Jede Tat ist verfolgbar, auch, wenn man vorher das Verfahren etwas zögerlich betrieben hat.

Dieses Vorgehen hat indes die eigentliche Tat in der medialen Sicht überlagert. In Vergessenheit geriet, daß es um den Geschlechtsverkehr mit einer Dreizehnjährigen geht, mit einer Minderjährigen. Daß diese möglicherweise einwilligte, ist angesichts ihres Alters unbeachtlich. Sie konnte aufgrund ihres Alters die Tragweite der Entscheidung sexuellen Verkehrs noch nicht überblicken. Und hatte der Autorität des mutmaßlichen Täters bei dessen sexuellem Ansinnen auch psychologisch wenig entgegenzusetzen.
Es bleibt ein Verbrechen.

Und wird in aller Regel mit Freiheitsentzug geahndet.

Die öffentliche Empörung wäre groß, handelte es sich nicht um einen Prominenten. Otto Normalvergewaltiger hätte keine wohlwollende Stimmen auf seiner Seite. Warum das bei Sympathieträgern anders ist, bleibt das Geheimnis einer Gesellschaft, in der sexuelle Straftaten zu Lasten von Kindern ganz besondere Abscheu auslöst.
Zumindest üblicherweise.

Aber hier nicht.

Hier war man eher wütend über das Vorgehen der Amerikaner. Weil die Tat auch so lange zurückliegt. Und das Opfer die Tat angeblich folgenlos verarbeitet hat (wobei: wie kann man sich da sicher sein?). 
Andere Sexualstraftäter würde man am liebsten ihr ganzes Leben lang brandmarken. Und das noch nach verbüßter Strafe.

Hier will man am liebsten gar keine Strafe mehr. Das ist, gelinde gesagt, paradox.
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