Es ist eine Woche der Meldungen über Grenzverletzungen. Da ist die Erinnerung an Stalingrad, das man in Deutschland vor allem mit der Niederlage einer ganzen Armee verbindet und dem Elend der Soldaten. Die Grenzverletzung erfolgte genau genommen, schon vorher: Als deutsche Landser über die Grenze in Russland eindrangen. Aber was man dort im fernen Osten offiziell mit einem glorreichen Sieg der Roten Armee zu verbinden hat, verbirgt grenzenloses Elend der Zivilbevölkerung.

Und nun will man die Stadt wieder "Stalingrad" nennen, nach einem Despoten also, der keine Grenzen kannte, wenn es galt, seine Schreckenherrschaft zu sichern.

 

Dann, vielleicht ein wenig überraschend in diesem Zusammenhang: Der Trend aus den USA, sich im Alter die Haare nicht mehr zu färben. Grau ist das neue Blond. Man geht also über die Altersgrenze und verbirgt seinen Grenzgang nicht mehr.

Ehrliche "Silver Generation" statt künstlicher, optischer Jungbrunnen.

 

Vorn wegen: Grau ist alle Theorie. Auch die Praxis kann grau sein.

 

Dann natürlich: Sexismus und kein Ende der Diskussionen darüber. Männer, die die Respektsgrenze nicht kennen und Journalistinnen, die aus einem grenzwertigen Vorfall einen Elefanten machen. Zumindest hatte eine Journalistin das Gedächtnis eines Elefanten (Verzeihung: Einer Elefantin) und ist noch ein Jahr nach dem Barbesuch mit Anzüglichkeiten empört.

Die Diskussion hat allerdings bei aller Relevanz eine Grenze erreicht, die sie unglaubwürdig macht.

 

Auch da ist längst eine Grenze überschritten.

 

Und schließlich eine Ausstellung über Serienmörder. Letzteres betrifft Unmenschen, die die Grenze zwischen Leben und Tod nicht achten. Die grenzenloses Leid über die Menschheit bringen, jenseits aller Grenzen und über Landesgrenzen hinweg. Serienmord ist ein internationales Problem, das galt auch in Russland (und war nicht dem dekadenten Westen vorbehalten), auch wenn hier die Staaten die Nase vorne haben, was die Fallzahlen anbelangt. 

 

Wir alle haben Grenzen. Wir loten diese auch zuweilen aus. Wir wollen zwar nicht immer das Elend der Welt vor Augen haben, für manche ist der Zweite Weltkrieg zu lange her, als daß man sich noch damit auseinander setzen muß. Das soll denen vorbehalten bleiben, die alt und grau sind. Wir alle übertreten auch zuweilen Grenzen, sei es zwischen den Geschlechtern, sei es, sich bei einem guten Krimi an berühmten Serienkillern zu laben.

Wo die Grenze ist, das sollten wir aber zumindest im sozialen Zusammenleben wissen.

 

Das ist nicht immer einfach. Jeder hat seine Grenze. Für den einen sind Witze über Religion schon zuviel, andere finden, Witze darf und muß man über alles und jeden machen. Ob Jesus oder Mohammed, nichts ist unmöglich. So gibt es Witze über den Krieg, über junge, blonde Frauen und graue Schwiegermütter, und natürlich über das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Über sich selbst darf man lachen, über andere zuweilen nicht. Wenn ein Behinderter einen Behindertenwitz macht, ist das witzig, wenn ein "Fußgänger" einen Witz über einen Rollstuhlfahrer macht, kann das ein Anlaß zum Fremdschämen sein.

 

Grenzenloses Vergnügen ist möglich, aber schwierig. Sich zu sehr einengen zu müssen, kann den Lebensgenuß arg beschränken. Sich dazwischen zu bewegen, das dürfte der Königsweg sein.

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