Das Gedicht von Herrn Grass mag ungereimtes Zeug sein. Inhaltlich mag man daran so manches zu bemängeln haben. Allein die Atombombe in den Händen eines fanatischen Despoten klein zu reden und den Staat Israel, der deswegen nachvollziehbar beunruhigt ist, als wahre Gefahr für den Weltfrieden anzusehen, ist durchaus eine Position, gegen die man so einiges einwenden kann.

Aber ein Einreiseverbot? Der Vorschlag, Herr Grass müsse der Nobelpreis aberkannt werden?

 

Das diskreditiert Israels Ruf erheblich.

 

Mag man auch mit der Nazi-Keule gerechnet haben. Allerdings ist Israel nicht als Vertreter aller Juden anzusehen. Es gibt deutsche Juden, englische Juden und französische. So wie es auch keinen Staat der Christen gibt oder der Mohammedaner, so ist Israel nicht der Staat der Juden, sondern ein Staat unter vielen. In einer Krisenregion mit dem Recht, die eigenen Interessen zu vertreten, wie das jeder Staat der Welt das Recht hat. Kritik an Israel und ihren Plänen, Vorhaben oder Handlungen sind legitim und sollten in moderner Lesart auch Ausdruck demokratischer Gesinnung sein. Kritik mag auch einmal überzeichnet sein oder unangemessen, Kritik mag unbequem sein oder auch einmal überzogen.

Aber eines sollte sie nicht sein: Begründung für Ächtung.

 

Ein demokratisches Gemeinwesen moderner Prägung muß Kritik aushalten. Kritikern mit mittelalterlich anmutender Ausgrenzung - eine Art althergebrachter Verbannung - oder Aberkennung von Ehrenrechten, die nicht vom eigenen Staate verliehen wurden, zu begegnen, offenbart ein Maß an Intoleranz, mit dem sich dieser Staat selbst ins Unrecht setzt. Mag Kritik Israels am Gedicht berechtigt und nachvollziehbar sein, so ist die nunmehr gezeigte Reaktion nicht hinnehmbar. 

Und, seien wir ehrlich: Es handelt sich nur um Worte.

 

Herr Grass hat Israel nicht tätlich angegriffen.

 

Man kann nun eine gewisse Freude daran empfinden, wie wichtig angesichts der weltweiten Reaktionen das geschriebene Wort noch sei kann. Man kann aber auch statuieren: Worte sollten nicht schwerer wiegen als Taten. Merkwürdig ist auch, daß nicht etwa Herr Ahmadineschad ein Einreiseverbot hat, obwohl von diesem sicher eine hohe Gefahr für die berechtigten Interessen Israels ausgeht. Obwohl er ständig Hasstiraden gegen seinen erklärten Feind absondert.

Herr Grass aber soll für ein einziges - wenn auch unsägliches - Gedicht gekreuzigt werden.

 

Wäre die Energie, die man nunmehr auf diesen Vorgang nicht besser verwendet auf die Befriedung des nahen Ostens? Etwa die Aktion im Internet, Liebesbotschaften von Mensch zu Mensch zwischen Iran und Israel zu lancieren? Stattdessen spuckt man Gier und Geifer gegen einen Dichter, der ein paar Gedanken auf ein Blatt Papier gerotzt hat. Und will alle Welt zwingen, dazu Stellung zu nehmen.

Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.

 

Warum kann man derart unwesentliche Vorgänge nicht schweigend übergehen? Ignoranz des Unwichtigen? Beschränkung auf das Wesentliche?

Aber was wäre das?

 

Frieden!

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