Mehrmals im Jahr kann man in der Presse lesen und sehen, wer wieder als Schönste zu gelten hat. Allerdings sind das inflationär viele Damen, die die Schönsten der Welt, des Universums (man hat dann immerhin nicht nur Venus und Merkur, sondern auch alle anderen Sonnensysteme geschlagen) oder auch nur des Landes Bayern sein sollen. Wobei der Blick in die oft strahlend leeren Gesichter überrascht: Das soll die Schönste sein?
Und vor dem geistigen Auge tauchen so einige Damen auf, die einem schöner zu sein scheinen.

Wobei der Gewinn einer Miss-Wahl nur bedeutet: Man war die Schönste derjenigen, die dort mitgemacht haben.

Genau betrachtet nicht einmal das. Sondern nur, daß die Jury-Mitglieder dieser Ansicht waren, zumindest zu diesem Zeitpunkt. Und so sind Missen meist nur der kleinste, gemeinsame Nenner der verschiedenen Geschmäcker. Man einigt sich dann auf eine langbeinige, schlanke, junge Dame, deren Gesichtszüge konturlos scheinen. Große Augen, durch Schminke vergrößert, kleine Nasen, oft durch Operationen verkleinert, weiße Zähne, durch Blenden blendend aufgehellt.
Künstliche Schönheit in künstlichem Licht.

Aber noch bar jeder Geschichte. 

Noch hat sich in den glatten Gesichtern keine Lebensgeschichte eingebrannt. Man ist noch jung und unverbraucht, unfertig und bar jeder Erfahrung. Man lächelt sich durch den Abend, wünscht sich traditionsgemäß den Weltfrieden und beweist, daß man auch intellektuell etwas zu bieten hat.
Zumindest dem Intellekt, den diejenigen zu bieten haben, die sich so etwas überhaupt anschauen.

Oder sich gar als Jurymitglieder für so etwas hergeben, um sich als prominent zu gerieren. 

Was noch eine Stufe unter dem Dschungellager anzusiedeln ist. Dann wird Fleisch beschaut, in knappen Bikinis und langen Abendkleidern, jede Dame eine Nummer. Und diese Nummer muß schnell eingeschätzt werden, als schnelle Nummer. Als Preis winken Autos, Fernreisen und Verträge, den eigenen Körper zur Schau zu stellen, zu welchem Zweck auch immer.
Aber erinnert man sich an vergangene Missen?

Das müssen die sein, die ihren Nachfolgerinnen das Krönchen aufsetzen.

Das setzt dem bodenlosen Faß ohne Inhalt die Krone auf. 
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