Rekordverdächtig sind wir jetzt schon, zumindest, was die Länge der Überschrift anbelangt. Dabei ist es ein ganz gewöhnliches Wort, das allerdings ungewöhnlich viel Interesse weckt. Schon im Vorfeld wurde über den Fortgang der Bauarbeiten in Südafrika berichtet, über die Chancen der Mannschaften diskutiert und natürlich alle Qualifikationsspiele übertragen.
Nicht zu vergessen, daß selbst die Auslosung der Qualifikationsauslosung und der Auslosung der Gruppengegner wie ein besonderes Ereignis als Schauspiel im Fernsehen gezeigt wurde.

König Fußball reißt mal wieder die Alleinherrschaft an sich.

Und wir haben einen Sommer der grünen Rasen vor uns, auf dem kleine Männer in bunten Anzügen ihren Marktwert weltweit zu steigern versuchen. Das wird nicht jeder schaffen. Manche werden vom Platz schleichen, manche lächerliche Tänzchen aufführen, heterosexuelle Männer werden sich in den Armen liegen und auch zuweilen in den Haaren.
Und vor allem wird es wieder um Geld gehen, um viel Geld.

Und auch um die bange Frage: Wird die erste Weltmeisterschaft im erdverbindendsten Sport der Welt auf dem schwarzen Kontinent friedlich verlaufen?

Wird es Morde geben, Gewaltausbrüche? Oder gar Anschläge? Wird der Sport im Vordergrund stehen oder wird etwas anderes, dunkles die Schlagzeilen beherrschen? Wird man unangenehme Themen wie Slums und Armut aus den Bildern verdrängen können zugunsten feiernder Menschen, die laut in Plastikhörner stoßen? Oder wird man allseits profitieren vom Sport, finanziell, wirtschaftlich und auch im Bezug auf Völkerverständigung und Rassismus?
Schwarzafrika ruft und alle kommen.

Auch die Schläger, die nur auf Randale aus sind?

Lasset die Spiele beginnen. Wobei es meist beinhart ernst zugehen wird. Denn beim Fußball hört die Freundschaft auf. Da gibt es nur Gegner und militärische Vokabeln. Da ist von Angriff die Rede, von Attacke, vom tödlichen Paß in die Tiefe. 
Und von internationaler Härte. Ghana (kennt kana), Serbien (muß sterbien) und Australien (wird nicht stralien) sind auch "zu schaffen".

Nichts für Weicheier. Außer beim Torjubel.

Die Welt vereint an den Fernsehgeräten, wenn das annähernd runde Plastik annähernd neunzig Minuten getreten wird, bis es im Netz zappelt. Wenn nicht - auch so ein typischer Fußball-Ausdruck - "das Aluminium rettet". Die rechte Klebe, die nicht klebrig sein sollte, mit einem Pfund (allerdings mit einigen Kilonewton Druck) geschossen wird und Fouls erwartet werden, die "taktisch" sind. Man muß über die "Außen" kommen und konsequent in die Zweikämpfe gehen.
Hach, was sind Fernsehreporter vorhersehbar.

Wenn doch nur alles so leicht zu durchschauen wäre.

Etwa, warum das Ganze einen derartige Anziehungskraft hat. Aber das wird wohl zu den einzigen Geheimnissen zählen, die man noch nicht erschlüsselt hat durch Äonen von Experten (oder solchen, die es sein wollen).
Zwischen Anstoß und Abpfiff gehen Ehen zugrunde.

Hauptsache, der Rubel, nein: das Leder rollt. 
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