Sicher kann man nicht jede Minute seines Seins nach Wahrhaftigkeit und Tiefe trachten. Manchmal darf man auch mal brachial sein, unflätig, grob. Da muß auch mal eine Schlüpfrigkeit befriedigt und alle politische Korrektheit ad acta gelegt werden. Da ist auch mal Tacheles angesagt, von mir aus in Gossensprache. Manchmal darf man sich das erlauben.
Aber immer?

Primitivität als Lebensprinzip?

So mancher scheint die Suche nach dem Wahren schon aufgegeben zu haben. Oder du erwischst diese Menschen nur, wenn sie gerade Urlaub vom Nachdenken genießen. Und neben Witzchen über Damen und Alkohol sogar rassistische Anwandelungen haben. Grobheiten, wie man sie eher auf dem Bau oder im Stehimbiß des Hauptbahnhofs vermuten mag, treten dann zutage.
Und das durchgehend.

Jedenfalls immer, wenn du gerade hinschaust.

Verwandeln sich diese Grobiane nur dann in Philosophen, wenn sie sich zu Hause unbeobachtet wähnen? Oder sind sie wirklich so hirnrissig, daß sie dich immerwährend und paradoxerweise mit Gewöhnlichkeiten überraschen? Dauernd den dümmlichen Macho raushängen lassen, das muß doch anstrengend sein. Aber diese Anstrengung scheinen sie nicht zu scheuen. Oder ist das in Wahrheit deren Entspannung, weil sie sich gerade so geben, wie sie sind? So sind sie halt? Oder darf man doch darauf hoffen, daß diese üble Attitüde nur Posse ist, bewußt eingesetzt, um den Feingeist auf die Palme zu bringen? Und anderswo geben sie Lebensweisheiten von sich, die einem Anselm Grün zur Ehre gereichen?
Was ist echt und was ist Spiel?

Wie kann man das herausfinden?

Meine Erfahrung ist aber: Ob man mitmacht oder nicht, sie lassen sich nicht beirren. Wenn man dagegen angeht, weil man etwa Rassismus nicht duldet, erfährt man Widerstand.
Macht man aber zum Schein mit, dann stachelt sie das nur noch mehr an.

Und sie finden das witzig. Und ich? Soll ich zum Weinen in den Keller gehen? Oder dagegen an? Oder besser in mich, um nicht einzugehen?
Am besten: Weg.
 
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