Schon einmal habe ich die drei großen Künste Musik, Literatur und Malerei miteinander verglichen im Hinblick darauf, daß allein in der Musik Abstraktion allenthalben toleriert, ja geliebt wird.

Aber noch unter einem anderen Aspekt sticht die Musik unter der Trias hervor.

 

Musik erreicht mehr Menschen.

 

Während Literatur für Viele buchstäblich ein Buch mit sieben Siegeln, lebt die Malerei sogar ein regelrechtes Nischendasein. Große Gruppen der Bevölkerung lesen selten bis nie. Gerade im Präkariat, aber auch in der Gruppe der Arbeiter gibt es Wohnungen, in der kein einziges Buch steht. Der gewöhnliche Fußballanhänger, der gewöhnliche Autoschrauber, der gewöhnliche Bierdimpfl, alles selbst erklärte Nichtleser. 

Und man wird diese Menschen auch kaum in Ausstellungen finden, zwischen zwei Fußballspielen oder Automessen.

 

Aber Musik hören sie auf die eine oder andere Weise alle.

 

Kaum ein Fußballspiel ohne "Fangesänge", meist mit textlichen Abwandlungen bekannter Lieder. Kaum ein aufgemotztes Auto ohne adäquate - soll heißen: Repräsentative - Musikanlage. Selbst der schlichte Mensch, der als einziges Hobby dem Genuß alkoholischer Getränke frönt, will in seiner Stammkneipe oder im Bierzelt beschallt werden. Er will dort nicht Lesungen oder Vernissagen beiwohnen (vielleicht dafür auch ungewöhnliche Orte, aber durchaus eine Überlegung wert). Höchstens, daß er sein Heim mit einem schlechten Druck aus einem Kalender mit einem Bergmotiv verschönert.

Aber näher kommt er der Malerei eher nicht.

 

Letztlich erreicht ihn allein die Musik.

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