Immer, wenn ich Elvis höre, denke ich: „Scheiße.“ Was? Elvis, der ist doch Kult, wie kann man da an Exkremente denken?

 

Nun, als ich einmal eine Straße entlangging, sah ich auf dem gegenüberliegenden Gehweg Elvis stehen. Komisch, war der nicht tot? Ich sah zu ihm rüber und knallte ich mit voller Wucht gegen eine Straßenlaterne. Sie erwischte mich hinterhältig an der Schläfe. Ich fiel nach hinten und kam auf meinem Hinterteil zu sitzen. Ich hielt mir die Stelle am Kopf, wo ich die Laterne gegrüßt hatte. Immerhin blutete sie nicht. Aber ich würde wohl mit einer veritablen Beule rechnen können.

Da fiel mir Elvis wieder ein. 

 

Aber, als ich hinüberschaute, da war er weg. Nur ein kleiner junge stand da und starrte mich an.

"Noch nie einen Mann auf dem Boden gesehen?" schnauzte ich ihn an.

"Du sitzt in Hundescheiße", antwortete er.

"Scheiße", rief ich und sprang auf. "Und das alles wegen Elvis."

"Wer ist Elvis?" fragte der Junge. Er war vielleicht 8 Jahre alt.

"Wer ist Elvis?" fuhr ich ihn an. "Wer Elvis ist? Das ist zufällig der größte Sänger aller Zeiten."

"Wie groß ist er?", fragte der Junge unbeirrt.

"Wie groß er ist? Na, er ist eben der Allergrößte."

"Mein Papa ist zwei Meter groß." informierte mich der Junge.

"Dein Papa ist mir scheißegal!", schrie ich, während ich versuchte, mir selbst auf meinen Allerwertesten zu schauen.

"Du hast da was am Arsch", stellte der Junge fest, immer noch ruhig. Sehr selbstbewußt, der Kleine. Ließ sich von mir nicht aus der Ruhe bringen.

 

Da hörte ich von hinten eine Stimme: "Sie sollten den Jungen nicht so anschreien."

Ich drehte mich um, und da stand Elvis vor mir. Natürlich nicht der echte. Sondern ein Milchbubi in einer ziemlich billigen Verkleidung.

"Ich bin Elvis", ergänzte er, was völlig unnötig war.

"Das ist Elvis?" fragte der Junge, der inzwischen näher gekommen war. "Der ist aber klein."

"Ich bin doch nicht klein!" stieß Elvis empört hervor.

"Der Mann hat gesagt, Du wärst der Allergrößte", entgegnete der Knabe.

"Da hat er recht", sagte Elvis.

"Mein Papa ist größer als Du", sagte der Bub.

"Dein Papa ist mir scheißegal!", plärrte jetzt Elvis.

 

Beim Stichwort „Scheiße“ sahen beide wieder zu mir. Und ich drehte mich bei dem neuerlichen Versuch, mich von hinten zu sehen um die eigene Achse; wie ein Hund, der seinen eigenen Schwanz jagt. Zeit, Land zu gewinnen. Ich ging also zu meinem Auto. Ich hatte die Klinke schon in der Hand, als mir einfiel, daß ich mich besser doch nicht in meinen schönen, neuen Wagen setzen sollte.

 

Scheiße. 

 

Denke ich seitdem immer, wenn ich Elvis höre.

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