Von Zeitgenossen, die einen Satz mit den Worten beginnen: "Muß ich ganz ehrlich sagen...", erwartet man grundsätzlich ein Geständnis. Oftmals aber wird mit dieser Phrase eine Selbstverständlichkeit eingeleitet, zuweilen sogar eine Plattitüde. "Ich muß ganz ehrlich sagen, daß ich einen Urlaub mit gutem Wetter besser finde als mit schlechtem". Ehrlich? Wer hätte das gedacht. Wo doch die allermeisten Menschen stinksauer sind, wenn es in ihren Ferien nicht permanent Hunde und Katzen regnet.

Warum also diese Einleitung?

 

Kennzeichnen diese Menschen diesen Satz deshalb, weil sie sonst nicht die Wahrheit sprechen? 

 

Oder meinen sie tatsächlich, die Aussage könnte die Zuhörer überraschen? Wohl kaum. Warum also dieser Einschub? Um Zeit zu haben, die schon im Rachenraum befindliche Aussage noch einmal zu überdenken? Um die Adressaten zu langweilen? Um sich der Zusatimmung aller gewiß zu sein? Wenn man schon mal ehrlich ist?

Wobei der ausdrückliche Verweis auf Ehrlichkeit meist kein gutes Zeichen ist. 

 

Man kennt das von Leuten, die ständig alles beschwören.

 

Oder Ehrlichkeit als Etikett? Achtung, hier kommt eine Portion Wahrheit! Was eher kpntraproduktiv wäre. Wer die Wahrheit allzu deutlich ankündigt, erzeugt Mißtrauen. Das immerhin hat man von Politikern wie Herrn Barschel, aber auch von Sportlern wie Herrn Daum gelernt. 

Oder doch eine Verlegenheitsfloskel? Welche Verlegenheit sollte das sein? Die Verlegenheit der Zuhörer, weil sie sich diesen Smalltalk anhören müssen? Wie kann man darauf reagieren? Einen Vortrag halten? Überrascht tun? Genervt die Augen verdrehen? Oder doch wieder zustimmend nicken. Ja, da haben Sie mal wieder recht, so ist es, ohne Wenn und Aber, ganz genau, wirklich, das finde ich auch.

Ich werde wohl letzteres machen

 

Muß ich ganz ehrlich sagen.

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