6. Die Anzeige

 

 

Auf die so genannte „Dritte“ Donaubrücke ist Ingolstadt ganz besonders stolz. Zwar handelt es sich streng genommen um die sechste Brücke über den großen Strom, aber man zählt offenbar die Autobahnbrücke, die Eisenbahnbrücke sowie einen Fußgängersteg nicht mit, nur die beiden innerörtlichen Brücken, die für Fußgänger wie Autos gleichermaßen gedacht sind. Der Bau der Brücke beschäftigte die Lokalpresse über Monate hinweg, jeder Baufortschritt war eine Nachricht wert. Merkwürdigerweise ist die Glacisbrücke – so der offizielle Name - an einem Ende zweispurig, am anderen dreispurig zu befahren, weil unglaublicherweise mitten auf der Brücke eine dritte Spur beginnt. Vielleicht rührt auch daher der Spitzname „Dritte Donaubrücke“, weil man sich in einer Begegnung der dritten Art wähnt.

Damit den Autofahrer der Blick auf die schöne, graue Donau nicht belästigt, ist diese nur durch eine lange Plastikwand zu sehen, was ihr eigentlich angenehmes Bild ein wenig optisch verzerrt. Aber auch sonst ist die Donau nicht gerade in das Stadtbild Ingolstadts eingebunden.

Fußgänger haben es auf der Brücke besonders schwer, weil seitlich, abgetrennt von der Fahrbahn, zwei Hängekonstruktionen verlaufen, auf denen nicht motorisierte Verkehrsteilnehmer teilweise derart steile Stellen meistern müssen, daß ältere oder gehbehinderte Menschen und Rollstuhlfahrer das Betonbauwerk besser meiden sollten.

 

„Krüppelsicher“ nennen das Zyniker.

 

 

(Fortsetzung demnächst möglicherweise auf Amazon)

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