1. Die Hauptverhandlung

 

 

Der Schwurgerichtssaal des Landgerichtes Ingolstadt ist vornehmlich in lichtem Grau gehalten. Auch der lange, erhöhte Richtertisch, an dem sechs Personen Platz finden: Der Vorsitzende Richter, auf einem Stuhl mit verlängerter Lehne, und links und rechts seine beiden Beisitzer. Außen die beiden Laienrichter, sowie, am Stirnende, die Protokollführerin hinter einem großen Computermonitor.

Gegenüber verfolgen in ansteigenden Reihen auf Klappsitzen die Zuschauer die Ereignisse. Rechts vom Richtertisch erstrecken sich zwei Tischreihen, die vordere, ebenfalls mit Klappsitzen, für die Angeklagten, dahinter, mit Stühlen mit hoher Lehne, für die jeweiligen Anwälte.

 

Rechtsanwälte sind, wie man sieht, Organe der Rechtspflege; Angeklagte scheinen dagegen eher Zuschauern gleichzustehen.

 

Auf der anderen Seite sitzen die Vertreter der Staatsanwaltschaft, links daneben, sofern Bedarf besteht, die gelehrten Herren und Damen Sachverständigen. In deren Rücken hat man eine schöne Aussicht auf grüne Wiesen, durch große, leicht getönte Scheiben. Für so manchen Angeklagten ist es der letzte Blick auf so etwas wie freie Natur, weil er für längere Zeit nur gezähmtes Grün zu sehen bekommt. Gegenüber den Fenstern, also hinter den Verteidigern und ihren Mandanten, hat man zur Verbesserung der Akustik große Lochbretter angebracht, auf die wiederum die geballte Staatsmacht starrt, während sie ihr ins Loch zu bringen versucht.

 

Auf den guten Ton im Gerichtssaal hat diese schalldämpfende Maßnahme aber keinen Einfluß.

 

Wobei die Atmosphäre hauptsächlich von der Verhandlungsführung des Vorsitzenden abhängt. Manche Richter zeichnen sich eher durch einen Mangel an Diplomatie aus und sind ein wenig hemdsärmlig, andere sind unverbindlich, aber freundlich, wieder andere sachlich und kühl.

 

(Fortsetzung demnächst unter Amazon)

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