Was man spaßhaft über so manchen, ungeschickten Fußballer sagt, das trifft auf Torwarte auf jeden Fall zu: Tormöglichkeiten der gegnerischen Mannschaft tunlichts zu vereiteln.
Und da steht Deuschland meist gut da, an berühmt gewordenen Torleuten herrscht kein Mangel.

Allerdings kann man den Chancentod auch anders verstehen.

Im tragischen Fall des depressiven Nationaltorwartes Robert Enke hat dieser seinen Tod traurigerweise selbst herbeigeführt. Dies wohl infolge einer Volkskrankheit namens Depression. Diese weit verbreitete, aber weitgehend verschwiegene psychische Erkrankung birgt jederzeit in schweren Fällen die Möglichkeit des Freitodes, gewissermaßen eine Chance zum Tod. Freilich sind die meisten Depressionen leicht; zumeist handelt es sich lediglich um leichte, depressive Verstimmungen. In mittelschweren Fällen kann man das zum einen der Umwelt kaum verbergen und nicht ohne Medikamente auskommen. In schweren Fällen kann man die Erkrankung ohne Klinikaufenthalt kaum durchstehen.

Wenn man aber seine Arbeit aufrechterhalten kann, dann liegt in aller Regel keine schwere Erkrankung vor.

Zudem bekommt man Depressionen mit Medikamenten kruzfristig und mit Psychotherapien langfristig üblicherweise gut in den Griff. Allerdings hemmen insbesondere die gleichzeitige Aufnahme von alkoholischen Getränken die Wirkung der Antidepressiva, so daß man sich nicht selbst mit Hochprozentigem therapieren sollte.
Selbstmorde sind dennoch selten.

Denn damit beendet man alle Chancen, die man haben mag, alle Chancen sterben mit einem.

Zwar sterben in Deutschland jährlich rund 1000 Menschen durch eigene Hand. Dem stehen aber geschätzte 4 bis 12 Millionen Betroffene gegenüber, was eine Quote von 1 bis 4 Promille entspricht (wenn man unterstellt, daß jedem Selbstmord eine Depression vorausgeht, was man aber keines falls unterstellen darf).

Und nun rückt nach vergessenen Selbstmorden wie etwa einem bekannten Volksschauspieler vor einigen Jahren ein Torwart ins Rampenlicht, dessen Name nicht unbedingt jedem etwas sagt, der sich nicht ausgesprochen für Fußball interessiert. Soll damit ein Tabuthema konstruktiv angegangen werden, indem man Privates aus dem Leben eines Sportlers ins Licht der Öffentlichkeit zerrt? Und wird es damit Betroffenen leichter gemacht, sich als betroffen zu zeigen? Und wie soll die Öffentlichkeit damit umgehen? Wird dann hinter jedem Depressiven auch hinter den 996 Promille Ungefährdeten ein potentieller Suizidaler vermutet? Wird man dann anders behandelt, gar gemieden, obwohl die Krankheit mit hohem Grad an Sicherheit nicht ansteckend sein dürfte (im Gegensatz zu anderen Erkrankungen)?
Man wird sehen, wie die Sache sich entwickelt.

Wobei meine Prognose ist: Wenn andere Neuigkeiten die Thematik zurückdrängen, wird sich nicht viel geändert haben.

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