Sicher, die Zeiten ändern sich. Und die Sitten auch. War es noch in den sechziger Jahren verboten, unverheirateten Paaren auch nur Unterkunft zu gewähren, ohne sich der Kuppelei schuldig zu machen, ist diese Ansicht mittlerweile überholt. 
Zuweilen muß man sich inzwischen rechtfertigen, wenn man verheiratet ist.

Auch wird man nicht mehr als Ketzer angesehen, wenn man nicht an Gott glaubt.

Aber man darf es. Und das ungeniert und ungestört. Wenn nun ein Polizeibeamter mit seiner Freundin nach einer durchzechten Sylvesternacht sich ausgerechnet in einer Kirche sexuell in einer Kirchenempore betätigte, so zieht das durchaus noch Maßnahmen nach sich. Zum einen beamtenrechtliche, zunächst die Suspendierung, dann noch strafrechtliche. Aber schon fragen sich manche: Warum eigentlich? Ist sexuelle Betätigung nicht allemal besser als gewalttätige? Ist Sex nicht Privatsache und geht die Staatsgewalt nichts an? Sollte der Pfarrer statt als Anzeigeerstatter nicht vielmehr als Seelsorger auftreten?
Allerdings haben immerhin fünfundzwanzig Rosenkranz Betende den Vorgang zumindest akustisch wahrgenommen.

Sind diese nicht schützenswert?

Mag auch aufgeklärten Menschen das sture Abbeten eines Rosenkranzes altmodisch anmuten, so ist es doch immerhin erlaubt. Und mag man selbst diese Riten als überholt ansehen, das Recht, dies zu tun, ist zu verteidigen. Und das ohne Einwirkung von außen. Religiöse Betätigung, im übrigen auch die der Mohammedaner oder Juden, gilt es, gegen Störungen, die die Ausübung letztlich verhindern könnten, zu verteidigen.
Und man sollte den Anstand haben, dieser Ausübung der Religion auch den nötigen Respekt zu zollen. 

Man muß nicht selbst daran glauben.

Aber den nötigen Respekt vor den religiösen Empfindungen anderer sollte man schon aufbringen. Nunmehr den mutmaßlichen Täter vor Repressalien zu beschützen, mutet absurd an. Man sollte Ursache und Wirkung auch nicht ins Gegenteil verkehren. Ein Beamter, der grundlegenden Ausprägungen von gelebten Grundrechten nicht ein Mindestmaß an Respekt zollt, der muß von den Diziplinarvorgesetzten aus der Schußlinie genommen werden.
Was wäre das auch für eine Welt, in der nicht einmal die Bediensteten des Staates sich an ein Mindestmaß an Rücksicht auf die Meinung andere nähme.

Man muß nicht alles jederzeit auch in der Öffentlichkeit tun können.

Wer das nicht einsieht, dem kann der Gedanke grundlegender Toleranz anders Denkenden gegenüber nicht nahegebracht werden.
Jedenfalls nicht anders als durch die Härte des Gesetzes. 
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