In Zeiten, in denen man sich immer öfter virtuell zusammenfindet und den virtuellen Raum zunehmend als Heimat empfindet, finden sich auch Partnerschaften immer mehr über das Internet. Wenn man die Interessen sichtet, was denn solche Menschen gerne tun, dann findet sich immer öfter die heroische Trias aus "Shoppen, chillen, Party machen".

Irritierend, mit was sich manche zufrieden geben.

 

Bescheidenheit scheint im Trend zu liegen.

 

"Shoppen" hat nun nichts mit Saufen zu tun (das gilt nur für den dritten Begriff), das soll vielmehr Englisch sein und bedeutet schlicht "Einkaufen". Aber das erscheint dann doch zu schlicht und wird durch die englische Entsprechung vermeintlich aufpoliert. Der englische Ausdruck "Shop" bedeutet jedoch: "Geschäft". Man ist daher "geschäftig", wenn man so will, weil man sich in Geschäften aufhält. Außerdem werden nur Kleidungsstücke und Schuhe "geshoppt", Lebensmittel etwa kauft man nach wie vor ein. Die Tätigkeit des Anprobierens und die Beschäftigung mit sich während dieser Tätigkeit ist also Beschäftigung genug, um als Hobby durchzugehen. Das scheint derart viel Spaß zu machen, daß man es - gerade die Frauen - auch in einer Partnerschaftsanzeige verwendet. 

Ob das das gesuchte, männliche Pendant teilt?

 

Welcher Mann kauft schon gerne Kleidung ein? Lebensmittel einzukaufen ginge gerade noch, aber eine Tour durch Kaufhäuser und Bekleidungsläden sind eher eine Tortour, ein Graus.

 

"Chillen" ist nichts anders als Ausruhen. Aber schlicht passives Ausruhen klingt dann doch zu wenig dynamisch, also weicht man auch hier auf das Englische aus, indem man wiederum ein deutsches Verb kreiiert, von dem die meisten noch denken, es verleihe dem "Relaxen" (auch so ein Wort, aber fast schon wieder aus der Mode) Pfeffer, Chilli. Wobei Dynamik nun wirklich nichts zu tun hat mit bloßem Nichtstun. Es handelt sich auch nicht etwa um aktives Ausruhen, etwa leichte, sportliche Betätigung. Äußerlich gesehen tut der "Chillende" nichts, aber auch gar nichts (und auch innerlich ist das meist nicht anders). Früher nannte man das "Faulenzen" oder "auf der faulen Haut liegen". Dann kam man kurz auf den Trichter, damit lasse man "die Seele baumeln". Aber auch das ist schon wieder zuviel Aktivität, denn wer "chillt", bei dem baumelt nichts.

Und beseelt ist Nichtstun zumeist auch weniger.

 

Man sucht also jemanden, der gerne auch nichts tut.

Der tut nichts, der will nicht einmal spielen.

 

"Party machen" ist nun die aktivste Tätigkeit der drei. Wurden früher Parties gefeiert (oder schlicht auch: Gefeiert), so wird auch diese Freizeitgestaltung dynamisiert, indem man sie "macht". Auch, wenn man im schlichten Kreis einiger Schlichter schlicht Alkohol in sich hinein schüttet, geht das schon als "Party machen" durch. Von außen betrachtet mag das als Saufgelage erscheinen, aber innerlich ist man hier aktiv, gestaltet sich und seine Freizeit.

Zudem muß man sich inzwischen ein "E" dazu denken, denn es handelt sich schon lange nicht mehr um eine "Pati", sondern um eine "Patei" (letztere Vokale als Diphtong gesprochen).

 

Alle drei Tätigkeiten beschäftigen sich mit sich selbst.

 

Also suchen hier letztlich Menschen, die in ihrer Freizeit einkaufen, ausruhen und feiern Gleichgesinnte. Auf den Punkt gebracht trifft dies im Grunde auf alle Menschen zu, denn wer kauft nicht in seiner Freizeit ein, ruht sich aus und feiert auch gelegentlich einmal? Möglicherweise soll diese allgemeine Beschreibung also den potentiellen Bewerberkreis erweitern.

Denn im Grunde kommt dann als Partner jeder in Frage.

 

Hurra, wir haben gemeinsame Interessen, wir sollten uns zusammen tun.

Wer hätte das gedacht.

 

Von denen niemand.

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