Je älter man wird, desto nachsichtiger wird man mit sich und seiner Umwelt. Mag sein, daß die Kraft nachläßt, allzeit gegen Windmühlen zu kämpfen, mag sein, daß man zunehmend an Einsicht gewinnt, daß man so Einiges nicht ändern kann.
Und sich damit abfindet.
Und nicht weiter Lebenszeit damit vergeuden will, unsinnigen Träumen nachzujagen.

Das Leben ist zu kurz, um sich damit nicht abzufinden, daß man nicht für das ganze Universum verantwortlich ist. 

Wobei die Welt nicht besser wird, wenn alle Träumer aufgeben. Und die Welt ändert sich, wenn auch nicht immer zum Besseren. Dies mag daran liegen, daß die Dummheit die weitaus größere Verbreitung und Lobby hat als die Weitsicht, die Einsicht und die Vernunft. Dummheit ist ein unerschöpflicher Quell menschlichen Daseins, während Weisheit wie fossile Brennstoffe langsam zur Neige zu gehen scheinen. Appelle an den Egoismus der Menschen fallen auf weit fruchtbareren Boden als altruistische. 
Was mir nützt, wird geschützt, was mich schädigt, wird erledigt.

Die Menschheit als Ganzes ist da nicht von Belang.

Dennoch sind die Vorstellungen der Jugend, man könnte die Welt verbessern, längst beerdigt, wenn man in der Lebensmitte in der Realität des Alltages angekommen ist. Und so schaut man dem stumpfsinnigen Treiben des Weltengefüges nicht mehr mit tränenden Augen zu, sondern mit einer gewissen Distanz und auch einer Spur Resignation.
Aber eben auch mit einer gewissen Nachsicht, daß doch alles nicht so schlimm sei, nichts so heiß gegessen werde wie gekocht und es noch immer gut gegangen ist.

Und wenn nicht: Na, wenn schon. 

An mir hat es nicht gelegen. Aber die Welt hat nicht auf meine Vorschläge zur Verbesserung der Lage gehört. Das hat sie nun davon. Und ich sitze hier und denke mir, daß sich die Welt vor meinem Erscheinen gedreht hat. Und sie wird es nach meinem Verschwinden auch noch tun.
Und wenn nicht: Dann hat das alles nichts mehr mit mir zu tun.

Oder etwa doch? 
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