Der Trend geht immer mehr dahin (speziell bei jungen Leuten), sich am ganzen Körper (bis auf den Kopf, die Wimpern, Augenbrauen und auch bei den Männern am Kinn) zu enthaaren. Waren früher nur Weibchen unter den Achseln und haupt- (oder tiefer) sächlich Professionelle im Intimbereich haarlos, so ist der Unbehaarte momentan das Non-Plus-Ultra.
Allerdings ist das Entfernen von Haaren in aller Regel mit Schmerzen verbunden.

Und mit erheblichem Aufwand, weil Haare üblicherweise ständig nachwachsen (Nachwachsende Rohstoffe).

Deshalb werden die wachsenden Haare zumeist gewachst, also mit Wachs bestrichen und dann das vermeintliche Übel mitsamt der Wurzel ausgerissen. Eine Prozedur, der an Schmerzhaftigkeit einem Zahnarztbesuch in nichts nachsteht. Und Zeit kostet. Und nicht zuletzt Geld, denn die Kosmetikindustrie kommt und will herausfinden (wie es so schön hieß). Nicht zu vergessen, daß die Herstellung der Pflegeprodukte keine wirklich gute Umweltbilanz aufzuweisen hat.
Warum treiben die Menschen einen solchen Aufwand?

Insbesondere an Stellen, die nicht jeder zu sehen bekommt?

Und jene, die die Stellen zu sehen bekommen, werden kaum in der Hitze des Gefechtes wegen natürlich gewachsener Haare Reißaus nehmen, nur, weil der oder die Behaarte nicht vorher Reißauß genommen hat, an den Haaren nämlich.
Es ist, als würde die Welt tatsächlich immer dümmer. Und ginge es der westlichen Welt zu gut.

Solange man sich noch um solche Dinge kümmern kann, kann die Auswirkung einer angeblichen Krise noch nicht derart durchgreifend sein.

Hatte man nicht gehofft, die Damen würden dazulernen, statt die Herren auch noch von diesem Unsinn zu überzeugen? Der Kampf gegen die Natur ist doch eher ein Kind der industriellen Revolution, die sexuelle Revolution hatte dagegen doch die Zielrichtung, die Menschen von ihren Ängsten und Zwängen zu befreien. Stattdessen ist man der Sklave seiner vermeintlichen Makelhaftigkeit und verbringt einen nicht unwesentlichen Teil seiner kostbaren Lebenszeit damit, die Natur kosmetisch zu verändern.
Und das Haar in der Suppe zu finden.

Als wenn man der Perfektion nur durch Haarentfernung näher kame.

Aber sage einmal etwas dagegen, da wird dir vorgeworfen, du würdest deine Eitelkeit schon dadurch zeigen, daß du dir einmal in der Woche deine Haare wäschst und sie dir einmal im Jahr schneiden läßt. Auch diese halbe Stunde wöchentlich und die Stunde einmal im Jahr sei ja Lebenszeit. Und du verwendest gar Shampoo und auch das koste Geld und sei nicht wirklich umweltfreundlich.
Wozu Menschen in Verzweifelung argumentativ greifen, wenn sie sosehr in einem Weltbild verfangen sind, daß sie sich nicht vorstellen können, daß es auch ohne ginge.

Oder, anders gesagt: Mit. Mit Haaren nämlich. Wie es Menschen schon seit Generationen geschafft haben.
Aber diesmal scheint es knapp zu werden, haarscharf.

Um einmal haarspalterisch zu sein.

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