Es ist eine Frage, die sich quer durch die Geschichte zieht: Wie kann sich ein Volk unterdrücken lassen durch eine Minderheit? Gerade am Tag der deutschen Einheit stellt sich diese Frage wieder, sofern man der Prämisse folgt, daß nicht der überwiegende Teil der DDR-Bevölkerung mit dem Sozialismus einverstanden waren. 
Sondern sich feige und duckmäuserisch mit diesem abgefunden haben.

Ihn aber am liebsten abgeschafft hätten.

Warum aber ließ man sich durch ein perfides System aus Bespitzelung und Angst so lange unterdrücken? Wie kann es einer Minderheit von skrupellosen Diktatoren gelingen, ein ganzes Volk in Schach zu halten? Sicher hatte man auch im großen Bruder Sowjetunion einen Rückhalt, der sich in der damaligen Tschechoslowakei und auch in Ungarn blutig alles niederwalzte, was sich in den Weg stellte.
Allerdings stellte sich die gleiche Frage in der Zeit des III. Reiches.

Und da stand Deutschland fast allein gegen den ganzen Rest der Welt.

Wobei man seitens der Machthaber seinen Untertanen niemals die Wahrheit gesagt hat (Böse Zungen unken: Das ist immer noch der Fall. Politiker, die den Wähler mit der ungeschminkten Wahrheit konfrontieren, werden nicht gewählt. Aktuelles Beispiel: Glaubt man wirklich, es würden von der kommenden Regierung die Steuern gesenkt?). Aber die Unwahrheiten, die während der Nazi- und auch der Sozialismus-Herrschaft den Menschen aufgetischt wurden, waren so offensichtlich gelogen, daß sie von jedermann durchschaut hätten werden müssen. 
Anti-imperialistischer Schutzwall? Es wollten doch keine Flüchtlinge aus dem Westen in den Osten (die wurden auch aufgenommen, wenn sie Leistungsträger waren), nur umgekehrt war das der Fall, was man auch unterbinden wollte. Aufbau des Sozialismus? Jeder wußte von und litt unter der Mangelwirtschaft. All die Militarisierung im Alltag, das Bespitzelungssystem, die Unterdrückung ungewollter Meinungskundgabe, das machte die Insassen des riesigen Gefängnisses nicht in irgendeiner Art und Weise frei. Im Mangel zu leben, während die Bonzen sich westlichen Luxus gönnten, war das nicht eine offensichtliche Mißachtung der angeblichen Gleichheit?
Jeder wußte und fühlte das.

Dennoch glaubte man sich ohnmächtig. 

Aber gemerkt hat man erst nach 40 Jahren, daß man auch dort oben nicht ohne Volk ein solches unterdrücken konnte. Wobei man erst da auch die Hoffnung haben konnte, daß anders als 1956 oder 1968 nicht russische Panzer jegliche Reformbemühungen im Keim ersticken würden.
Besser spät als nie.

Wobei: Zieht man daraus Lehren für die Zukunft? Oder ist man auch in Deutschland dem nächsten absolutistischen System wieder duckmäuserisch ausgeliefert? 
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