Was ist eigentlich so schön daran, sich zu betrinken? Quer durch alle Schichten benebeln sich Menschen, um am nächsten Tag absehbar Kopfweh zu haben und sich kaum rühren zu können. Sie riskieren, im Suff kriminelle Handlungen oder sexuelle Eskapaden zu begehen. Um möglicherweise neben jemandem aufzuwachen, den man nicht kennt und auch nicht kennen will. Oder man hat eine  Menge Geld investiert, um sich an den Abend vorher gar nicht mehr erinnern zu können. Man riskiert seine Gesundheit, am Ende noch seinen Führerschein, nur, um das Leben einen Moment lang nicht mit klaren Sinnen erfassen zu können.
Oder, um davon erzählen zu können. 

Oder, um davon erzählt zu bekommen, wenn man einen Filmriß hatte.

Glaubt man, dadurch etwas erlebt zu haben? Die Leber erlebt mehr als man selbst. Aber man behauptet in der Rückschau, etwas erlebt zu haben. Das ganze Leben eine einzige Kette von Trunkenheiten, mit denen man ein Leben vorgaukelt, das man nicht führt.
Oder von dem man gar nicht weiß, ob man es führt.

Nur: wo führt das alles hin? 

Im Grunde unterscheiden sich die Säufer in den Chefetagen von den Versagern in der heruntergekommenen Eckkneipe nur unwesentlich. Man ist nicht besser als die grölenden Fußballfans, wenn man im Rausch zu unmelodischem Liedgut neigt. Wer sich über häßliche Deutsche am Ballermann mokiert, der sollte sich nie in die Gefahr begeben, durch übermäßigen Alkoholgenuß die Kontrolle zu verlieren. Man senkt nur sein Niveau unter den Level, den man von sozial niedriger stehenden annimmt, auf die man nüchtern betrachtet hinunterschaut.
Was man aber bei verquerer Optik nicht mehr kann.

Alle Menschen werden Brüder.

Wenn, ja, wenn sie betrunken sind. Alkohol ist ein Gleichmacher. Kein Glücklichmacher, denn nach der Gleichheit kommt nicht die Brüderlichkeit sondern die Ernüchterung.
Das gibt ein böses Erwachen, wenn sich nach dem Saufgelage Chef und Putzfrau duzen. 

Letztere freut sich: Auf dem Boden herumkriechend ist der Vorgesetzte ja ganz menschlich. Aber mit der Autorität des Bosses ist es vorbei. 
Und mit der Selbstachtung. 
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