Was es nicht alles gibt: Da kommt jetzt doch glatt jemand auf die Idee, eine nach außen hin leise Diskothek zu errichten. Hierfür erhält jeder Besucher einen Leih-Kopfhörer. Über zwei verschiedene Frequenzen wird unterschiedliche Musik gesendet. Und jeder Besucher wählt diejenige Musik aus, auf die er gerade Lust hat.
Oder er genießt die Stille am Ort des Geschehens.

Danach kann sogar getanzt werden, ohne, daß es die Nachbarn stört.

Wobei diese Aktion auch Nachteile hat: Dorthin gehen doch ohnehin nur diejenige Leute, die noch nicht isoliert zu Hause vor dem Monitor oder Fernseher sitzen. Die, die Kontakt zu anderen Menschen suchen. Und tummeln sich dann isoliert zwischen anderen Kopfhörern. Und wildes Tanzen mit Kopfhörern setzt auch Selbstkontrolle voraus, allzu leidenschaftliche Bewegungen trotzen der Physik kaum: Man verliert ständig seinen Kopfschmuck. Kopfhörer sind zudem heiß (nicht nur die Musik, die aus ihnen kommt) und man verschwitzt sie, was den nächsten Entleiher möglicherweise nur bedingt freut. Und den meisten Lärm für die Nachbarn verursacht nicht die Musik, denn Discotheken, gerade auf der grünen Wiese haben selten solche. Und wenn, dann sind es eher die lärmenden Raucher vor den Ausgängen und die betrunkenen Besucher, die heimwärts torkeln, die die Geräusche verursachen. 

Wobei das ganze auch Vorteile hat. Man kann doch angesichts der heutigen Technik mehr als zwei Frequenzen nutzen und somit die Bandbreite an Musikstilen enorm vergrößern. So kann der Freund erdiger Volksmusik neben dem Metalfreak sitzen, der Jazzer neben dem Popper, ohne sich gegenseitig ins Gehege zu kommen (wobei die Abgrenzung durch die Musik und auch durch die Kleidung ein wichtiger Faktor junger Menschen ist und somit derlei Crossover-Integration wohl verhindert). Aber man kann zumindest die Lautstärke individuell gestalten und auch als Hardrockfan sein Gehör schonen. Man kann sich mit anderen unterhalten, ohne gegen brüllend laute Lautsprecher ansprechen oder anbrüllen zu müssen, bis man heiser und taub ist.

Dennoch: Wird sich das durchsetzen? Wenn man sich die Haare nicht mehr vor den Speakern föhnen kann, sondern nach der Disco naßgeschwitzt föhnen muß? Wenn man gar nicht weiß, was der Nachbar (oder auch die schöne Nachbarin) hört und nicht mehr miteinander, sondern nur noch nebeneinander Musik erlebt? Wenn man wie zu Hause Kopfhörer hören muß, weil auch zu Hause der Lärmpegel von den Eltern diktiert wird, obwohl man doch einmal richtig aufdrehen will, im doppelten Sinn des Wortes.
Und, wirkt es frei und wild, dieses gezähmte Beisammensein artiger Rücksichtnehmer?
Mit Ohrstöpseln und Kopfhörern kann man immer herumlaufen, dafür muß man nicht auch noch Eintritt zahlen und noch teure Getränke konsumieren. 

Es ist wohl der Anfang vom Ende des Treffens junger Leute.
Wenn es sich wider Erwarten durchsetzen sollte.

Was nicht zu hoffen wäre; und das nicht nur vom Verband der Ohrenärzte. 
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