War das eine Zeit, als man den Führerschein endlich in Händen hatte. Da war kein Weg zu weit und zu beschwerlich, um mit dem Auto zu fahren. Das konnte ruhig ein gebrauchtes sein, an dem der TÜV wenig Freude gehabt hätte. Abgerostete Türen schraubte man auch mal fest, kleine Unzulänglichkeiten wie abgefahrene Bremsbeläge wurden auch schon mal mit der Handbremse korrigiert. Und die Autos bekamen Farbe, mit plumpen Pinselstrichen wild verschönert. Dann kaufte man sich noch ein gebrauchtes und noch eins, die vorherigen gingen den Weg alles Irdischen. Früher gab es noch die Möglichkeit, zur einer Polizeidienststelle zu gehen, dort Brief und Schlüssel abzugeben und den Standort anzugeben.

Die Ordnungshüter entsorgten dann kostenlos die Schrottkarre.

Dann fuhr man während des Studiums jahrelang Taxi, wieder begeistert von den großen Autos, der nächtlichen Großstadt und den Erlebnissen mit teilweise wirklich schrägen Persönlichkeiten. Und man fuhr auch weite Strecken in den Urlaub, mal mit Freunden, mal mit Freundin, mal mit Bands. Man hatte Zeit, der Weg war das Ziel. Auch ist man mal vom rechten Wege abgekommen und hat die Semesterferien ganz woanders verbracht als ursprünglich geplant. Vollbepackt mit Zelten, Klamotten oder auch musikalischem Equipment. Und jungen Damen, von denen man sich ein bißchen Geschlechtsverkehr erhofft hätte. Und schließlich erst mit der Frau und dann mit dieser und den Kindern. Die Autos waren in immer besserem Zustand, auch größer, komfortabler, geräumiger und zunehmend ohne Rostflecken.
Die Strecken bleiben die gleichen. 

Aber sie scheinen immer länger zu werden.

Touren, die man früher mühelos in einem Stück fuhr, meidet man heute, fährt lieber mit dem Zug, fliegt oder sagt auch mal ein Treffen mit Freunden ab, wenn einen die Aussicht auf langweilige Stunden Geradeausfahren auf dicht befahrenen Autobahnen schreckt. Vielleicht ist einem auch die Lebenszeit kostbarer geworden und man will sie nicht mehr hinter dem Steuer eines Kilometerfressers verbringen. Alle Geschwindigkeiten und viele Modelle an Autos ist man mittlerweile gefahren und man definiert sich schon lange nicht mehr über seinen Benzinfresser (wobei: Manche lernen's nie).
Auch vermutet man vielleicht nicht mehr, daß hinter dem Horizont die Welt besser sein mag.

Und es gefällt einem auch zunehmend, wo man ist.

Man mag sein Haus, seine Familie, seinen Garten und sein Umfeld. Dort kann man seinen vielen Hobbys nachgehen und man hat alle Gerätschaften stets griffbereit, die dafür notwendig sind. Man weiß, wo man gut essen kann, wo man schwimmen und Radfahren kann. Und so ungestört und ungeniert wie im heimischen Wohnzimmer hat man es an keinem Ort der Welt. Interessante Orte gäbe es genug, aber warum wertvolle Freizeittage dafür opfern, nur um dorthin zu gelangen? Noch dazu tagelang konzentriert hinter dem Steuer eines Boliden, wo man nichts trinken darf, das Alkohol enthielte und was darüber hinaus auch stets die Gefahr birgt, daß man um sein unersetzliches Leben kommt. Dafür muß man nicht einmal selbst Schuld sein. Es genügt, daß so ein autoverliebter Raser dir im wahrsten Sinn des Wortes entgegenkommt, weil er die Kurve nicht kriegt. 
Weil er Geschwindigkeitsbegrenzungen für unmoralische Einschränkung von Bürgerrechten hält. 

Ich fahre nicht mehr gerne Auto. Nicht mehr gerne lange und auch nicht mehr gerne weit. Ich bin sicher Millionen Kilometer gefahren, ich kann dem nicht mehr viel abgewinnen. Ich habe Wichtigeres zu tun.
Und das entscheidende ist: Ich muß nicht, wenn ich nicht will.

Schließlich bin ich nicht der Sklave meines Auto, sondern das Auto sollte mir dienen. 

Denn nicht Auto fahren bedeutet Freiheit.
Sondern darüber zu entscheiden, ob man Auto fahren möchte. 
Zurück zu Home